Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Attagenus pellio* (Linnaeus, 1758). Die Erstbeschreibung erfolgte durch Carl Linnaeus im Jahr 1758 in der zehnten Auflage seiner *Systema Naturae* unter dem ursprünglichen Namen *Dermestes pellio*.[1] Im Jahr 1815 transferierte der Zoologe William Elford Leach die Art in die Gattung *Attagenus*, wodurch sie taxonomisch von den Speckkäfern der Gattung *Dermestes* getrennt wurde.[2] Innerhalb der Familie der Speckkäfer (Dermestidae) wird *Attagenus pellio* der Unterfamilie Attageninae zugeordnet. Historische Synonyme umfassen unter anderem *Dermestes piceus* De Geer, 1774 sowie *Dermestes bipunctatus* De Geer, 1774.[1] Der Gattungsname *Attagenus* leitet sich aus dem Griechischen ab („atta“ für Großvater, „genos“ für Abstammung) und bezieht sich auf das runzelige Erscheinungsbild der Käfer, das an die Haut älterer Menschen erinnert. Das Artepitheton *pellio* entstammt dem Lateinischen „pellis“ (Fell oder Haut) und verweist auf die Zerstörungskraft an tierischen Häuten und Pelzen.[2] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Gefleckter Pelzkäfer“ gebräuchlich.[3] International sind die englischen Trivialnamen „two-spotted carpet beetle“ oder „fur beetle“ etabliert, die auf die zwei charakteristischen weißen Flecken auf den Flügeldecken sowie das Nahrungsspektrum hindeuten.[2][1] Morphologisch grenzt sich die Gattung *Attagenus* von verwandten Gruppen wie *Anthrenus* durch die einheitliche, glänzende Färbung der Adulten ab, denen das typische Schuppenmuster fehlt.[2]
Die adulten Käfer erreichen eine Körperlänge von 3,5 bis 6 mm und weisen eine für die Familie typische, länglich-ovale Körperform auf. Die Grundfärbung ist einheitlich dunkelbraun bis schwarz, selten rotbraun, wobei der Körper von feinen Härchen bedeckt ist, die ihm ein mattes Aussehen verleihen. Als wichtigstes Bestimmungsmerkmal tragen die Flügeldecken (Elytren) zwei markante weiße Flecken in der Mitte, die durch Ansammlungen heller Schuppen oder Haare gebildet werden. Ergänzend ist die Basis des Halsschildes (Pronotum) oft mit weißen Haaren besetzt, was einen Kontrast zum dunklen Restkörper bildet. Der kleine Kopf trägt große, schwarz gefärbte Augen, die vorne eingekerbt sind, sowie ein einzelnes Medianauge (Ocellus) auf der Stirn. Die Antennen sind elfgliedrig, wobei die letzten drei Segmente eine deutliche Keule formen. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Ausprägung dieser Fühlerkeule: Bei Männchen ist das letzte Segment auffällig verlängert, während Weibchen insgesamt etwas größer sind, aber kürzere Antennen besitzen. Die Beine sind schwarz gefärbt und an die Fortbewegung auf verschiedenen Oberflächen angepasst. Die Larven, umgangssprachlich oft als „Wollbären“ bezeichnet, besitzen einen gestreckten, torpedoförmigen Körper, der sich zum Hinterende hin verjüngt. Sie werden bis zu 10 mm lang und zeigen eine goldgelbe bis rotbraune Färbung, die durch die Segmentierung und dichte Behaarung gebändert wirkt. Der Kopf der Larven ist hypognath und mit kräftigen Kauwerkzeugen ausgestattet. Der Körper ist dicht mit Borsten besetzt, darunter spezifische Pfeilhaare (Hastisetae) auf den hinteren Abdominalsegmenten. Ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten wie *Attagenus unicolor* sind zwei lange, orangefarbene Haarbüschel am Körperende der Larve. Die Larven verfügen über gut entwickelte, fünfgliedrige Beine, die in einer einzelnen Klaue enden. Die Eier sind cremefarben und mit 0,5 bis 1 mm Länge sehr klein. Zur Abgrenzung gegenüber der verwandten Gattung *Anthrenus* dient bei den Adulten das Fehlen bunter Schuppenmuster zugunsten einer einheitlicheren, glänzenden Grundfarbe.[1]
Der Gefleckte Pelzkäfer (*Attagenus pellio*) wird als bedeutender Materialschädling klassifiziert, dessen Larven keratinhaltige Stoffe wie Wolle, Pelze, Federn und Leder sowie gelagerte Getreideprodukte befallen.[1] Das typische Schadbild zeichnet sich durch unregelmäßige Fraßlöcher und kahle Stellen aus, die sich häufig an Nähten, Falten oder geschützten Bereichen von Textilien konzentrieren.[5] In Museen, historischen Sammlungen und Privathaushalten verursacht die Art durch die Zerstörung unwiederbringlicher Artefakte und Textilien signifikante ökonomische Schäden.[9] Ein Befall lässt sich frühzeitig durch das Auffinden abgestreifter, gestreifter Larvenhäute (Exuvien) und winziger Kotpellets (Frass) in der Nähe der Fraßstellen erkennen.[5] Das Auftreten adulter Käfer an Fensterbänken oder Wänden in den Frühlings- und Sommermonaten dient oft als erster Indikator für eine aktive Population im Gebäudeinneren. Da Vogelnester in Dachböden, unter Traufen oder in Kaminen häufige Ursprungsherde darstellen, ist deren Entfernung eine essenzielle bauliche Präventionsmaßnahme, um das Eindringen in Wohnräume zu verhindern.[1] Zur Überwachung (Monitoring) werden Pheromonfallen eingesetzt, die männliche Käfer anlocken, sowie Klebefallen zur Lokalisierung der Laufwege der Larven.[5] Im Sinne einer integrierten Schädlingsbekämpfung (IPM) haben physikalische Methoden Vorrang, insbesondere das gründliche Staubsaugen von Ritzen und Polstern zur mechanischen Entfernung von Eiern und Larven.[1] Befallene Objekte können effektiv durch Einfrieren bei mindestens -18 °C über zwei Wochen oder durch eine Wärmebehandlung bei 49 °C für 30 Minuten saniert werden. Der Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel sollte auf gezielte Punktbehandlungen mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Bifenthrin in Verstecken beschränkt bleiben. Als toxikologisch unbedenklichere Alternative wirken Silikagel oder Diatomeenerde in Hohlräumen durch Austrocknung (Desikkation) auf die Insekten.[5] Biologische Gegenspieler wie die Schlupfwespe *Laelius pedatus* regulieren Populationen im Freiland, spielen jedoch in der aktiven Innenraumbekämpfung meist eine untergeordnete Rolle.[1] Zur langfristigen Vermeidung von Schäden sollten gefährdete Textilien in luftdicht verschlossenen Behältern gelagert werden, um die Eiablage zu unterbinden.[5]