Fakten (kompakt)
- Historische Aufzeichnungen zur Kultivierung reichen bis ins prähistorische Asien zurück, während die weite Verbreitung in Europa im 17. Jahrhundert erfolgte. - Durch Züchtungsprogramme in Kanada in den 1970er Jahren wurde der Erucasäuregehalt von ursprünglich über 45 % auf unter 2 % gesenkt. - Der Begriff „Canola“ wurde 1979 als Markenzeichen etabliert, um essbare Sorten von industriellen Hoch-Erucasäure-Typen zu unterscheiden. - Die Blüten besitzen vier kreuzförmig angeordnete Kronblätter mit einem Durchmesser von etwa 1,5 bis 2 cm sowie sechs Staubblätter. - Aus den Blüten entwickeln sich 4 bis 8 cm lange Schoten, die sich längs öffnen und jeweils 15 bis 30 Samen freigeben. - Die Samen weisen einen Ölgehalt von 40 bis 45 % des Gewichts auf.[4]
Die Art *Brassica napus* L. wird taxonomisch der Gattung *Brassica* (Kohl) innerhalb der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) zugeordnet. Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen Begriff *brassica* ab, der historisch für Kohl und verwandte Blattgemüse verwendet wurde und in antiken italischen Sprachen verwurzelt ist. Die Bezeichnung „Raps“ sowie das englische „rapeseed“ entstammen dem lateinischen *rapa* oder *rapum* (Rübe), was auf die morphologische Ähnlichkeit der Pflanze zu Rüben verweist. Taxonomisch handelt es sich bei *Brassica napus* um eine allotetraploide Spezies (Genom AACC, 2n=38), die vor etwa 7.500 Jahren im Mittelmeerraum durch die natürliche Hybridisierung der diploiden Elternarten *Brassica rapa* und *Brassica oleracea* entstand.[1] Diese amphidiploide Herkunft grenzt die Art genetisch klar von ihren Progenitoren sowie verwandten Spezies wie *Brassica juncea* ab.[2] Innerhalb der Art werden verschiedene Formen unterschieden, wobei Ölsat-Typen häufig als var. *napus* (historisch auch var. *oleifera*) und Blatt- oder Faserformen als var. *rapifera* klassifiziert werden.[2] Der international gebräuchliche Name „Canola“ bezeichnet keine taxonomische Einheit, sondern ist ein 1978 etablierter Markenname für Züchtungen mit niedrigen Erucasäure- und Glucosinolatwerten. Dieser Begriff setzt sich als Kofferwort aus „Canada“ und „ola“ (für Öl) zusammen und dient der Unterscheidung von essbaren Qualitäten gegenüber industriellem Rapsöl.[3]
Raps (*Brassica napus*) ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze, die durch aufrechte Stängel Wuchshöhen von 0,5 bis 1,5 Metern erreicht. Die Stängel sind typischerweise kahl oder nur spärlich behaart und weisen oft eine bereifte, fleischige Textur auf, wobei sie sich im oberen Bereich stark verzweigen. Das Wurzelsystem besteht aus einer tiefreichenden Pfahlwurzel, die durch feine Faserwurzeln zur effizienten Nährstoffaufnahme ergänzt wird. Die wechselständig angeordneten Laubblätter variieren je nach Entwicklungsphase von einer grundständigen Rosette im vegetativen Stadium bis hin zu fiederspaltigen oder lanzettlichen Formen am Stängel. Die Blütenstände bilden endständige Trauben mit leuchtend gelben Blüten, die jeweils vier kreuzförmig angeordnete Kronblätter mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2 cm und sechs Staubblätter besitzen. Nach der Bestäubung entwickeln sich die Früchte zu 4 bis 8 cm langen, schlanken Schoten (Siliquen), die bei Reife längs aufplatzen. Jede Schote enthält 15 bis 30 kugelige bis ovale Samen mit einem Durchmesser von 1,5 bis 2,5 mm und einer rötlich-braunen bis schwarzen Färbung. Die Samen zeichnen sich durch eine wabenartig netzförmige Oberfläche aus und enthalten 40 bis 45 % Öl. Im Keimlingsstadium sind die breiten, nierenförmigen Keimblätter (Kotyledonen) ein charakteristisches Merkmal zur Identifizierung.[2] Morphologisch unterscheidet sich *B. napus* von *Brassica juncea* durch breitere Blätter mit gewellten Rändern im Gegensatz zu den glatteren Blatträndern der Vergleichsart. Gegenüber *Brassica rapa* ist Raps generell wüchsiger und bildet größere Samen sowie längere Schoten aus. Eine Verwechslung mit dem Acker-Senf (*Sinapis arvensis*) lässt sich durch die glatteren Stängel des Rapses und die direkt am Stängel sitzenden Blätter ausschließen, während Acker-Senf gestielte Blätter aufweist.[2] Genetisch ist *B. napus* als Allotetraploid mit 38 Chromosomen definiert, was ihn von seinen diploiden Vorfahren abgrenzt.[2]
Als Kulturpflanze ist *Brassica napus* primär ein Nützling, kann jedoch als Ausfallraps in Folgekulturen zum Unkraut werden und Genfluss zu wilden Verwandten ermöglichen. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten zählt die Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*), die Wurzelgallen bildet und Ernteverluste von 50 bis zu 100 % verursachen kann. Die Weißstängeligkeit (*Sclerotinia sclerotiorum*) führt zu weiß-grauen Stängelläsionen und vorzeitigem Aufplatzen der Schoten, was Erträge unbehandelt um 20 bis 50 % reduziert. Tierische Schädlinge wie Erdflöhe (*Phyllotreta* spp.) bedrohen Bestände bereits im Keimblattstadium durch massiven Lochfraß. Der Rapsglanzkäfer (*Meligethes aeneus*) frisst Pollen und Nektar in den Knospen, was zum Abwurf der Blütenanlagen führt.[1] Larven des Rapserdflohs (*Psylliodes chrysocephala*) minieren zudem in den Blattstielen und schwächen die Winterhärte der Pflanzen.[8] Gesundheitlich relevant war historisch der hohe Erucasäuregehalt, der durch Züchtung von Qualitätsraps (Canola) auf unter 2 % gesenkt wurde, um kardiale Risiken für Mensch und Tier auszuschließen.[1] Die in der Pflanze enthaltenen Glucosinolate wirken bei der Einarbeitung von Ernterückständen durch Biofumigation unterdrückend auf bodenbürtige Pathogene.[3] Zur Prävention ist im integrierten Pflanzenschutzes (IPM) eine Fruchtfolge von mindestens vier Jahren essenziell, um Krankheitszyklen zu unterbrechen. Ein effektives Monitoring nutzt Schadschwellen, wie beispielsweise 25 % befallene Knospen für Rapsglanzkäfer oder 20 % Entlaubung für Erdflöhe, um den Insektizideinsatz zu steuern.[1] Bei gentechnisch veränderten Sorten ermöglicht Herboidtoleranz pfluglose Bodenbearbeitung, was die Bodenerosion mindert, jedoch ein striktes Resistenzmanagement erfordert.[2] Ausfallraps muss konsequent bekämpft werden, da er als Wirt für Krankheiten dient und die Persistenz von Schaderregern in der Fruchtfolge fördert.[1]