Tapinoma magnum bekämpfen: Was gegen die Große Drüsenameise hilft, was Gemeinden tun und wann du einen Fachbetrieb brauchst
Aktualisiert am 2 listopad 2026 Patricia Titz

Tapinoma magnum bekämpfen: Was gegen die Große Drüsenameise hilft, was Gemeinden tun und wann du einen Fachbetrieb brauchst

Fachlich geprüft vom Silberkraft-Team

Sie unterhöhlen Gehwege, stören Elektroanlagen und Internetleitungen und dringen in Massen in Wohnhäuser ein: Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) bringt Hausbesitzer und ganze Gemeinden an ihre Grenzen [4]. Ursprünglich im westlichen Mittelmeerraum beheimatet, ist sie in Deutschland inzwischen in mindestens 92 Kommunen nachgewiesen [1]. Wer den Superkolonien mit Hausmitteln oder Ameisengift aus dem Baumarkt beikommen will, merkt schnell: Hier gelten andere Regeln.

In diesem Artikel erfährst du, warum Tapinoma magnum so schwer zu bekämpfen ist, welche Maßnahmen nach den Erfahrungen betroffener Städte helfen, was Gemeinden tun und wann du einen professionellen Schädlingsbekämpfer brauchst. Wie du die Art sicher erkennst, liest du in Tapinoma magnum erkennen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ehrliche Ausgangslage: Eine etablierte Superkolonie vollständig zu tilgen, ist nach heutigem Stand nahezu unmöglich. Realistisches Ziel ist, sie einzudämmen und so zu schwächen, dass man mit ihr leben kann [2] [4].
  • Erst bestimmen: Heimische Ameisen sollen nicht getötet werden – lass einen Verdacht vorher prüfen [4].
  • Heißwasser ist die Hauptmethode der Kommunen: Kehl spült Nester mit einem Erdspieß aus, Wiesloch arbeitet mit 95 °C heißem Wasser [3] [2].
  • Gemeinsam handeln: Eine Bekämpfung ist nur sinnvoll, wenn alle angrenzenden Grundstückseigentümer mitmachen [4].
  • Chemische Mittel gehören zum Profi: Handelsübliche Ameisengifte wirken kaum; wirksamere Fraßköder und Kontaktmittel sind für Privatpersonen nicht frei käuflich [2] [4].

Warum ist Tapinoma magnum so schwer zu bekämpfen?

Heimische Wegameisen leben meist in Kolonien mit einer Königin und verteidigen ihr Revier. Tapinoma magnum bildet dagegen Superkolonien: viele Königinnen (polygyn), viele Niststandorte (polydom) und keine Aggression zwischen den Teilnestern, weil die Tiere ein gemeinsames chemisches Erkennungsmuster tragen [1]. Die Kolonien nehmen laufend neue begattete Jungköniginnen auf [1]. Mehr dazu in unserem Beitrag Superkolonien bei Ameisen.

Wie groß das werden kann, zeigt Kehl: Dort gibt die Stadtverwaltung Kolonien von über 1.000.000 Quadratmetern mit bis zu 100 Millionen Arbeiterinnen und mehr als 1.000 Königinnen an [3]. Die Nester reichen bis etwa einen Meter tief; die Art übersteht Frost bis unter −10 °C und ist auch im Winter aktiv [1] [4]. Wer oberflächlich ein paar hundert Arbeiterinnen beseitigt, erreicht die Königinnen in der Tiefe nicht.

Querschnitt einer Tapinoma-magnum-Superkolonie mit vielen Nestern bis etwa einen Meter Tiefe
Schematischer Querschnitt: Viele verbundene Nester mit mehreren Königinnen bis etwa einen Meter Tiefe.

Vor jeder Bekämpfung: sicher bestimmen

Komplett schwarze, unterschiedlich große Arbeiterinnen (meist 2 bis 4 mm), breite Ameisenstraßen, Nacktpuppen ohne Kokon und ein Lösungsmittelgeruch beim Zerreiben sind die wichtigsten Hinweise [4] [2]. Ausführlich mit Vergleichstabelle und Foto-Anleitung: So erkennst du Tapinoma magnum. Melde einen Verdacht mit Fotos an das Forschungsprojekt TAPINOMA (artenkenntnis.info) und an deine Gemeinde [4].

Was Gemeinden tun: Heißwasser und Heißschaum

Da sich eine etablierte Superkolonie kaum tilgen lässt, setzen betroffene Städte auf Eindämmen und Schwächen [2]. Karlsruhe, Wiesloch und Kehl arbeiten dabei vor allem mit heißem Wasser. Wiesloch zerstört frei zugängliche Nester mit 95 °C heißem Wasser; verdeckte Nester sind damit nur bedingt erreichbar [2]. Karlsruhe nennt kochend heißes Wasser (mindestens 80 °C), das mit einer etwa einen Meter langen Sprühlanze zweimal pro Woche in den Bau eingebracht wird [4].

Eine Variante ist das Heißwasser-Schaum-Verfahren: Dem kochenden Wasser werden pflanzliche Stoffe wie Maisstärke oder Kokosöl zugesetzt. Der Schaumteppich verlangsamt das Abkühlen, sodass die Hitze länger wirkt [5]. Wichtig ist, die Behandlung in kurzen Abständen zu wiederholen, auch im Frühjahr, Herbst und Winter [5].

Praxisbeispiel Kehl: Tiefe schlägt Oberfläche

Kehl ließ von Herbst 2023 bis Frühjahr 2024 acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze durch eine Fachfirma durchführen – Kosten rund 20.000 Euro, also im Schnitt rund 2.500 Euro pro Einsatz, bei geringem Erfolg. Im Sommer 2024 schaffte die Stadt für rund 50.000 Euro ein eigenes Heißwassergerät an und spült Nester seitdem mindestens einmal pro Woche mit einem Erdspieß im Boden aus. Ergebnis 2024: einzelne Nester vollständig getilgt und eine deutlich wahrnehmbare Reduzierung der Population. Das Fazit der Stadt: Die Heißwassermethode kann eine Kolonie nicht tilgen, aber empfindlich schwächen [3].

Tapinoma magnum auf dem eigenen Grundstück: Was du selbst tun kannst

Ein einzelnes Grundstück zu behandeln, bringt wenig, wenn die Ameisen aus dem Nachbargarten nachrücken. Schließ dich mit den angrenzenden Eigentümern zusammen und informiere deine Stadtverwaltung [4]. Diese Maßnahmen nennen die Städte und Fachinformationen für Privatleute:

1. Heißes Wasser für zugängliche Nester

Bei gut zugänglichen Nestern kannst du die Zahl der Ameisen auch auf Privatflächen mit heißem Wasser reduzieren [2]. Gieß es direkt in die Nesteingänge und wiederhole das in kurzen Abständen, damit sich die Kolonie nicht erholt [5]. Pflanzen in unmittelbarer Nähe können dabei Schaden nehmen [2]. Achte auf Verbrühungsgefahr und behandle nur Nester von Tapinoma magnum – Nester heimischer Arten nicht, denn sie sind natürliche Gegenspieler [5].

2. Arbeiterinnen regelmäßig absaugen

Als flankierende Maßnahme nennt die Stockstädter Methodenliste das regelmäßige Einsaugen der Arbeiterinnen auf den Ameisenstraßen mit einem Nass-Staubsauger. Werden dauerhaft Arbeiterinnen entnommen, werden Königinnen und Larven schlechter versorgt und die Kolonie geschwächt. Die Liste stützt sich dabei auf die Erfahrung eines Anwohners, dessen Grundstück mitten im Befallsgebiet nur schwach besiedelt war [5].

3. Barrieren aus Kieselgur

Um Ameisen von Hauseingängen, Terrassentüren oder Mülltonnen fernzuhalten, empfehlen Karlsruhe und Wiesloch Barrieren aus Kieselgur [4] [2]. Der Wirkstoff amorphes Siliziumdioxid schädigt die äußere Wachsschicht (Epicuticula) der Ameisen, sodass sie austrocknen [5]. Kieselgur muss trocken bleiben – wird es feucht, verklumpt es und verliert seine Wirkung; die Barrieren musst du daher regelmäßig erneuern [5] [4]. Beachte beim Ausbringen die Angaben des Herstellers [2]. Alternativ nennt Karlsruhe auch Barrieren aus Vaseline sowie Leimringe oder Klebebänder an Mülltonnen [4].

4. Nematoden: wenig erforscht

Insektenpathogene Nematoden (Fadenwürmer) werden als Ergänzung nach einer Heißwasser-Behandlung diskutiert: Auf den erkalteten Boden ausgebracht, sollen sie die Regeneration der geschwächten Kolonie erschweren. Die Stockstädter Liste berichtet von guten Praxiserfahrungen, betont aber, dass es für Tapinoma magnum noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirkung gibt [5]. Kehl führt biotische Gegenspieler wie Nematoden als „noch nicht erforscht“ [3], Karlsruhe versieht sie mit einem Fragezeichen [4]. Erwarte davon also keine verlässliche Lösung.

Was du nicht tun solltest

  • Abflammen: Die Stadt Wiesloch rät dringend davon ab. Nester lassen sich so nicht beseitigen, und Abflammgeräte lösen schnell ungewollte Brände aus [2].
  • Auf Hausmittel setzen: Natron mit Puderzucker schadet laut Wiesloch nur den Arbeiterinnen, nicht den Königinnen. Essigwasser stört die Duftspuren nur zeitweise und vertreibt die Tiere bestenfalls [2]. Im Haus können Essig oder Backpulver allenfalls lokal und vorübergehend helfen [4].
  • Auf eigene Faust Gift ausbringen: Handelsübliche Ameisengifte zeigen gegen Tapinoma magnum keine oder nur eine sehr geringe Wirkung [2]. Im Garten treffen sie zudem heimische Ameisen und andere Insekten und können die Umwelt, etwa das Grundwasser, belasten [4].

Wann du einen Fachbetrieb brauchst

Dringt Tapinoma magnum ins Haus ein, stört sie Elektroanlagen oder ist der ganze Garten unterhöhlt, stößt du als Privatperson an Grenzen. Karlsruhe empfiehlt, spezialisierte und lizenzierte Schädlingsbekämpfungsunternehmen mit Erfahrung bei dieser Art zu beauftragen. Sie verfügen über Fraßköder und Kontaktmittel, die für Privatpersonen nicht frei käuflich sind [4]. Einen seriösen Betrieb findest du zum Beispiel über die Suche des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands [4].

  • Verzögert wirkende Fraßköder: Zuckerhaltige Ködergele, die Arbeiterinnen ins Nest tragen und an Königinnen und Larven verfüttern. In Zürich wurden Gele mit den Wirkstoffen Imidacloprid bzw. Indoxacarb eingesetzt [2] [5]. Der Köder muss regelmäßig gewechselt werden, weil er nach einiger Zeit nicht mehr angenommen wird [4].
  • Kontaktmittel mit Langzeitwirkung: Für Ameisenstraßen unter Fassaden oder in Mauerritzen setzen Fachleute flüssige oder staubförmige Mittel ein, meist mit Pyrethroiden; sie sollten für den Außenbereich zugelassen sein [5].

Auch professionell ist das langwierig: In Zürich wurde 2019 eine 500 Quadratmeter große Kolonie mit Permethrin-Kontaktmittel und Fraßködern behandelt – sechs Behandlungen wöchentlich, danach vierzehntägig, insgesamt 13. Die Kosten lagen bei 5.550 Euro für die Behandlung plus 2.340 Euro für das Monitoring [1]. Die Kolonie konnte getilgt werden, die weitere Ausbreitung von Tapinoma magnum hielt das laut Wiesloch aber nicht auf [2].

Vorbeugung: So machst du dein Grundstück unattraktiv

Eingeschleppt wird Tapinoma magnum vor allem mit den Erdballen mediterraner Pflanzen; der Erstnachweis in Deutschland gelang 2009 in einer Baumschule und Gartencentern in Rheinland-Pfalz [1]. Prüfe Topfpflanzen wie Olivenbäume vor dem Kauf auf Ameisen. Befallene Topfpflanzen sollten 24 Stunden in Wasser gestellt werden, damit die Ameisen absterben [4]. Verschenke keine Topfpflanzen aus einem befallenen Garten und transportiere keinen Erdaushub [2] [1].

  • Pflaster auf Splitt oder Mörtel: Verlege Wege auf einem Splitt- oder Mörtelbett statt auf Sand. Je gröber das Substrat, desto schlechter kann die Art darunter nisten [4] [5].
  • Fugen und Risse schließen: Spalten zwischen Hausfassade und Gehweg versiegeln und Zugänge ins Haus verschließen [5] [4].
  • Dichte Vegetation: Bevorzugt werden gepflasterte, sandige, warme Flächen. Bislang nicht befallen sind laut Karlsruhe Lehmboden mit Bewuchs sowie schattige, feuchte Flächen. Dichter Rasen, Gräser oder Rindenmulch machen Flächen unattraktiver [4] [5].
  • Nahrungsquellen entziehen: Die Ameisen nutzen den Honigtau von Blatt-, Schild- und Wurzelläusen. Leimringe an Gehölzen mit Blattläusen helfen, Mülltonnen sicherst du mit Leimringen oder Kieselgur [4]. Kompostiere keine zucker- oder proteinreichen Essensreste offen [2].
  • Grünschnitt prüfen: Ameisen können mit Grünschnitt und Wurzelballen verschleppt werden. Kontrolliere ihn vor der Entsorgung und entsorge ihn nur an zugelassenen Annahmestellen [2].

Einen Überblick über weitere eingeschleppte Arten findest du in Invasive Ameisen in Europa, den Steckbrief im Lexikon: Tapinoma magnum.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hilft Backpulver oder Natron gegen Tapinoma magnum?

Kaum. Natron mit Puderzucker tötet nur Arbeiterinnen, die davon fressen, nicht die Königinnen tief im Nest. Die Superkolonie wächst weiter. Im Haus können Essig oder Backpulver allenfalls lokal und vorübergehend helfen.

Ist die Große Drüsenameise gefährlich für Menschen?

Sie ist vor allem lästig: Bei Störung strömen viele Tiere heraus und beißen. Problematisch sind die Schäden an Pflaster und Gehwegen, Störungen an Elektroanlagen und Internetleitungen sowie das massenhafte Eindringen in Häuser.

Gibt es eine Meldepflicht für Tapinoma magnum?

Die Art ist nach EU-Recht nicht als invasive Art gelistet; eine gesetzliche Meldepflicht für Privatpersonen besteht nach unserem Kenntnisstand nicht. Das Forschungsprojekt TAPINOMA der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe und viele Gemeinden bitten aber um Meldungen mit Fotos.

Kann ich eine Superkolonie alleine auf meinem Grundstück ausrotten?

Nein, das ist praktisch nicht möglich. Die Nester erstrecken sich über mehrere Grundstücke, die Ameisen rücken nach. Realistisch ist, die Kolonie gemeinsam mit Nachbarn und Gemeinde einzudämmen und zu schwächen.

Was kostet die Bekämpfung von Tapinoma magnum?

Das hängt stark von Fläche und Verfahren ab. In Kehl kosteten acht oberflächliche Heißschaum-Einsätze einer Fachfirma rund 20.000 Euro, ein eigenes Heißwassergerät rund 50.000 Euro. In Zürich kostete die Behandlung einer 500 Quadratmeter großen Kolonie 5.550 Euro plus 2.340 Euro für das Monitoring.

Wie kommt die Ameise in meinen Garten?

Meist mit den Erdballen mediterraner Topfpflanzen wie Olivenbäumen. Auch Erdaushub und Grünschnitt aus befallenen Gebieten können die Ameisen verschleppen.

Fazit

Gegen Tapinoma magnum gibt es keine schnelle Lösung. Eine etablierte Superkolonie lässt sich nach heutigem Stand kaum vollständig beseitigen, wohl aber eindämmen. Am meisten bringt konsequentes, gemeinsames Vorgehen mit Nachbarn und Gemeinde: zugängliche Nester wiederholt mit heißem Wasser behandeln, Arbeiterinnen absaugen, Zugänge zum Haus mit Kieselgur-Barrieren sichern und Nahrungsquellen entziehen. Bei starkem Befall oder Ameisen im Haus führt kein Weg an einem erfahrenen Schädlingsbekämpfer vorbei.

Hinweis: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Quellenverzeichnis

  1. Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)
  2. Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
  3. Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop des Umweltbundesamts, 26.06.2025. (PDF/Link)
  4. Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
  5. Gemeinde Stockstadt (o. J.): Bekämpfungsverfahren gegen Tapinoma magnum (Liste von Bekämpfungsmethoden). (PDF/Link)

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