Chaetomium globosum ist ein kosmopolitisch verbreiteter, filamentöser Schlauchpilz (Ascomycota), der primär als saprotropher Zersetzer von zellulosereichem organischem Material fungiert.1 Als Typusart der Gattung Chaetomium wurde sie erstmals 1817 von Gustav Kunze beschrieben und bildet die taxonomische Basis für über 270 verwandte Arten. Im natürlichen Lebensraum, etwa auf verrottendem Holz, Stroh, Dung oder Pflanzenresten, erscheint der Pilz als dunkler, oft olivgrüner bis schwarzer Belag. Diese Färbung resultiert aus der Bildung zahlreicher oberflächlicher Fruchtkörper (Ascomata), die makroskopisch als winzige dunkle Punkte wahrnehmbar sind. In Laborkulturen zeigen die Kolonien ein rasches Wachstum und entwickeln eine samtige bis wollige Textur, die sich von anfänglich Weiß zu einem charakteristischen Olivgrün bis Dunkelgrün verfärbt. Unter dem Mikroskop offenbaren sich die Fruchtkörper als kugelige bis eiförmige Perithecien mit einem Durchmesser von 220–380 μm, die von markanten, gewundenen oder flexuosen Haaren bedeckt sind.2 Diese Haare dienen vermutlich dem Schutz oder der Verbreitung und unterscheiden die Art morphologisch deutlich von Verwandten wie Chaetomium cochliodes, welches gerade Haare aufweist.1 Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzen bildet C. globosum keine Sklerotien, sondern differenziert Hyphen direkt zu Perithecien, wobei die sexuelle Fortpflanzung homothallisch erfolgt und somit keine Kreuzungspartner benötigt.1 Im Inneren der Perithecien entwickeln sich zylindrische Schläuche (Asci), die jedoch früh zerfließen (evaneszent sind) und die Sporen freigeben.2 Die olivbraunen, zitronenförmigen (limoniformen) Ascosporen messen 8,5–10,5 × 7–8 μm, sind bilateral abgeflacht und besitzen eine apikale Keimpore.1 Asexuelle Stadien, die Acremonium-ähnlichen Strukturen gleichen, werden bei C. globosum im engeren Sinne selten beobachtet, da die Art primär sexuell sporuliert. Die Freisetzung der Sporen erfolgt durch das Ostiolum, wobei sie oft in den umgebenden Haaren verfangen bleiben, bevor sie verbreitet werden.2 Für die Keimung benötigen die Sporen eine hohe Feuchtigkeit (Wasseraktivität ≥ 0,94) und Temperaturen zwischen 25–30°C, woraufhin Keimschläuche aus den Poren austreten und rasch ein dichtes Myzelnetzwerk bilden.1 Unter Stressbedingungen oder Nährstoffmangel können sich entlang der Hyphen dickwandige, chlamydosporenartige Schwellungen bilden, die das Überleben sichern, obwohl echte Chlamydosporen selten sind.2 Neben seiner saprophytischen Lebensweise besiedelt die Art als Endophyt auch lebendes Pflanzengewebe, beispielsweise von Weizen, ohne Krankheitssymptome auszulösen.1 In der gebauten Umwelt tritt der Pilz häufig als Indikator für massive Wasserschäden auf Tapeten oder Gipskartonplatten auf, wo er aufgrund seiner effizienten Cellulase-Produktion gedeiht.21