Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) wurde im Jahr 1758 von Carl von Linné in der 10. Auflage seiner *Systema Naturae* wissenschaftlich erstbeschrieben. Als Grundlage für diese Beschreibung dienten Exemplare aus Schweden. Der wissenschaftliche Gattungsname *Erinaceus* entstammt dem Lateinischen (von *ericius*) und referenziert das stachelige Erscheinungsbild, während das Epitheton *europaeus* das primäre Verbreitungsgebiet kennzeichnet.[2] Im deutschsprachigen Raum wird die Art spezifisch als Braunbrustigel oder Westigel bezeichnet, was sie namentlich von verwandten Arten abgrenzt.[1] Systematisch wird die Spezies der Familie der Igel (Erinaceidae) und der Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla) zugeordnet, womit sie in einer Verwandtschaftsgruppe mit Spitzmäusen und Maulwürfen steht. Innerhalb der Gattung *Erinaceus* grenzt sich *Erinaceus europaeus* taxonomisch vom Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*) ab, wobei Hybridisierungszonen bekannt sind.[2] In der wissenschaftlichen Literatur werden bis zu neun Unterarten (beispielsweise *E. e. europaeus* in Mitteleuropa und *E. e. occidentalis* im Westen) diskutiert, deren Validität aufgrund klinaler Variationen jedoch teilweise debattiert wird.[2] Der englische Trivialname „hedgehog“ (Mittelenglisch *heyghoge*, um 1450) leitet sich etymologisch vom bevorzugten Habitat in Hecken („hedge“) und der schweineartigen Schnauze („hog“) ab.[3] In der angewandten Schädlingskunde wird der Igel als geschützte Art und Nützling klassifiziert.[1]
Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) ist ein kompaktes Säugetier mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 30 cm und einem kurzen, 1 bis 4 cm langen Schwanz.[2][1] Das Körpergewicht adulter Tiere liegt typischerweise zwischen 500 und 1500 g, kann jedoch vor dem Winterschlaf durch Fettreserven bis zu 2000 g erreichen.[2][3] Das auffälligste Merkmal ist das dorsale Stachelkleid, das aus 5000 bis 7000 spitzen, 20 bis 30 mm langen Keratinstacheln besteht. Diese Stacheln weisen eine Bänderung in Creme, Braun und Schwarz auf, wobei die Spitzen meist hell sind, was dem Tier ein gesprenkeltes Erscheinungsbild verleiht.[2] Im Gegensatz zur stacheligen Oberseite sind Gesicht, Kehle, Brust und Bauch mit einem groben, grau bis graubraunen Fell bedeckt.[1][3] Der Kopf zeichnet sich durch eine kurze, spitze Schnauze, kleine schwarze Augen und rundliche, etwa 27 bis 28 mm große Ohren aus. Die kurzen, kräftigen Gliedmaßen besitzen jeweils fünf Zehen mit nicht einziehbaren Krallen, die zum Graben geeignet sind.[2] Ein Sexualdimorphismus ist nur gering ausgeprägt, wobei Männchen durchschnittlich etwas größer und schwerer sind als Weibchen. Neugeborene wiegen zwischen 12 und 20 g, sind zunächst blind und gehörlos und besitzen weiche, weiße Erststacheln.[2][3] Diese härten innerhalb von 24 bis 36 Stunden aus, bevor später die pigmentierten Sekundärstacheln durchbrechen. Farblich treten selten leuzistische „blonde“ Individuen oder Albinos mit weißen Stacheln und roten Augen auf.[2] Zur Unterscheidung von ähnlichen Arten wie dem Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*) dient primär die bräunliche Färbung der Brust, die dem Braunbrustigel seinen deutschen Namen gibt.[2][1]
Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) ist ein kleiner, nachtaktiver Insektenfresser aus der Ordnung Eulipotyphla, der durch seinen kompakten Körperbau und das charakteristische Stachelkleid definiert wird. Ein adultes Tier trägt auf der Dorsalseite und den Flanken etwa 5.000 bis 7.000 Stacheln, die aus Keratin bestehen und creme-, braun- sowie schwarzgebändert sind.[2][1] Im Gegensatz zu den Stacheln von Stachelschweinen sind diese Strukturen solide, besitzen keine Widerhaken und lösen sich bei Berührung nicht ab.[2] Die Bauchseite, das Gesicht, die Kehle und die Brust sind hingegen mit einem groben, grau- bis graubraunen Fell bedeckt. Ausgewachsene Exemplare erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 30 cm bei einer kurzen Schwanzlänge von 1 bis 4 cm. Das Körpergewicht variiert saisonal stark zwischen 500 und 1.500 g, wobei sich Tiere vor dem Winterschlaf signifikante Fettreserven anfressen können.[2][1] Eine zentrale anatomische Anpassung ist der *Musculus orbicularis panniculi*, ein Ringmuskel, der es dem Igel ermöglicht, sich bei Gefahr innerhalb von Sekunden zu einer festen Kugel zusammenzurollen. In diesem Zustand sind die ungeschützten Gliedmaßen und der weiche Unterbauch verborgen, während die Stacheln eine effektive Abwehrbarriere bilden.[2] Der Schädel verfügt über einen verlängerten Rüssel, der zusammen mit dem exzellenten Geruchssinn zum Aufspüren von Wirbellosen im Boden dient.[2][1] Das Gebiss ist primitiv und mit weit auseinanderstehenden Schneidezähnen funktionell an die insektenbasierte Ernährung angepasst. Die kurzen, kräftigen Gliedmaßen enden in fünf Zehen mit nicht einziehbaren Krallen, die das Graben erleichtern.[2] Hinsichtlich des Sexualdimorphismus sind Männchen durchschnittlich etwas schwerer und größer als Weibchen, was jedoch im Feld kaum zu unterscheiden ist. Jungtiere kommen blind und taub mit einem Gewicht von 12 bis 20 g zur Welt und besitzen zunächst weiche, weiße Stacheln.[2][1] Diese Erststacheln härten innerhalb von 36 Stunden aus und werden im Verlauf der Entwicklung durch pigmentierte Sekundärstacheln ergänzt.[2] Die Jungtiere verlassen das Nest erstmals nach etwa 25 Tagen und sind nach sechs Wochen selbstständig.[1] Farblich dominieren in der Population braune Töne, wobei selten leuzistische Individuen auftreten, die helle Stacheln bei dunklen Augen aufweisen.[2] Historisch wurde die Art 1758 von Carl Linnaeus in seiner *Systema Naturae* auf Basis schwedischer Exemplare wissenschaftlich erstbeschrieben.[2][3] Abgegrenzt wird die Art im südlichen und östlichen Verbreitungsgebiet vom Nördlichen Weißbrustigel (*Erinaceus roumanicus*), der sich unter anderem durch eine hellere Brustfärbung unterscheidet.[2]
Die Fortbewegung von *Erinaceus europaeus* erfolgt quadrupedal in einem schlurfenden, zögerlichen Gang, wobei die Tiere häufig innehalten, um die Umgebung olfaktorisch zu prüfen. Während der nächtlichen Nahrungssuche legen sie durchschnittlich 0,5 bis 2 km zurück und erreichen dabei Geschwindigkeiten von 0,12 bis 0,25 km/h. Die Tiere sind fähig, niedrige Hindernisse bis zu 1,5 m Höhe zu überklettern und schwimmend Gewässer zu durchqueren.[3] Außerhalb der Paarungszeit lebt der Braunbrustigel als strikter Einzelgänger und ist überwiegend nachtaktiv.[1][2] Bei Gefahr kontrahiert der Igel spezialisierte Muskeln (Panniculus), um sich innerhalb von 1 bis 2 Sekunden zu einer festen Kugel zusammenzurollen und die weiche Unterseite zu schützen.[3] Diese Verteidigungsstrategie nutzt die 5000 bis 7000 Keratinstacheln als passiven Schutzschild gegen Fressfeinde.[3][2] Ein besonderes Verhalten ist das „Selbstbespeicheln“, bei dem nach dem Bekauen neuer Substanzen schaumiger Speichel auf das Stachelkleid übertragen wird.[3] In den Wintermonaten von Oktober bis April zieht sich die Art in ausgepolsterte Nester zurück, wobei die Körpertemperatur auf 5 °C sinkt. Während dieses Winterschlafs reduziert sich der Puls von 300 auf 20 bis 60 Schläge und die Atmung auf etwa einen Atemzug pro Minute.[1] Das Paarungsverhalten ist durch aggressives Konkurrenzverhalten der Männchen und ein charakteristisches, schnaufendes Umkreisen der Weibchen gekennzeichnet.[2]
Der Braunbrust- oder Westigel (*Erinaceus europaeus*) nimmt als opportunistischer Insektenfresser eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz ein, indem er Populationen von Wirbellosen wie Käfern, Regenwürmern und Nacktschnecken reguliert.[2][5] Analysen zeigen, dass Käfer in bis zu 94 % und Regenwürmer in 43 % der Nahrungsproben vorkommen können, ergänzt durch gelegentliche Aufnahme von Aas oder pflanzlichem Material.[5] Der bedeutendste natürliche Fressfeind ist der Europäische Dachs (*Meles meles*), dessen Präsenz die Igelpopulationen durch Prädation und Nahrungskonkurrenz lokal stark begrenzen kann. Gegenüber anderen Prädatoren wie Rotfüchsen (*Vulpes vulpes*) oder Uhus (*Bubo bubo*) bietet das Stachelkleid meist effektiven Schutz, sodass die Prädationsrate durch diese Arten geringer ausfällt.[6] Ökologisch ist der Westigel eng an strukturreiche Habitate gebunden, wobei er offene Landschaften, Parkanlagen und lichte Wälder gegenüber dichten Nadelwäldern oder ariden Zonen bevorzugt.[1][3] Für die Anlage von Nestern benötigt die Art spezifische Mikrohabitate mit dichter Bodenvegetation, Totholz oder Laubschichten, die Schutz vor Witterung und Feinden bieten. Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur drastisch auf bis zu 5 °C ab, was eine physiologische Anpassung an saisonale Nahrungsknappheit darstellt.[1] Die Art fungiert als Wirt für zahlreiche Parasiten, darunter der spezifische Igelfloh (*Archaeopsylla erinacei*) sowie Lungenwürmer (*Crenosoma striatum*), die die Mortalität in Populationen beeinflussen können.[3] Zudem ist *Erinaceus europaeus* ein Reservoir für zoonotische Erreger wie *Salmonella* oder zeckenübertragene Bakterien wie *Borrelia*.[7] In Regionen, in denen die Art eingeführt wurde, wie Neuseeland oder Inseln vor Schottland, wirkt sie als invasiver Prädator, der Bestände bodenbrütender Vögel durch Eierraub dezimiert.[5]
Der *Erinaceus europaeus* wird in seinem nativen Verbreitungsgebiet primär als Nützling und geschützte Art klassifiziert, während er in eingeführten Regionen als invasiver Schädling auftreten kann. Als opportunistischer Insektenfresser vertilgt ein Individuum bis zu 85 Gramm Wirbellose pro Nacht, wodurch er Populationen von Nacktschnecken (*Arion* spp.) und landwirtschaftlichen Schädlingen natürlich reguliert. In Neuseeland und auf schottischen Inseln hingegen verursacht die Art signifikante ökologische Schäden durch Prädation an Eiern und Küken bodenbrütender Vögel sowie an endemischen Wirbellosen. Aus medizinischer Sicht ist der Igel als Reservoir für Zoonosen relevant, darunter *Salmonella Typhimurium*, Methicillin-resistente *Staphylococcus aureus* (MRSA) und der auf Menschen übertragbare Hautpilz *Trichophyton erinacei*. Zudem weisen Igel oft einen starken Befall mit Zecken (*Ixodes* spp.) auf, die Vektoren für Borreliose und FSME sein können. Aufgrund des Schutzstatus (IUCN: Near Threatened) sind Bekämpfungsmaßnahmen im nativen Raum verboten; stattdessen liegt der Fokus auf Schutzkonzepten wie der Schaffung von 13 × 13 cm großen Durchlässen in Zäunen zur Habitatvernetzung. Mechanische Gefahrenquellen wie Mähroboter oder Fadenmäher sollten zur Vermeidung schwerer Verletzungen nachts nicht betrieben werden. Ein Monitoring der Bestände erfolgt zerstörungsfrei mittels Spurentunneln oder Wildkameras, um Anwesenheit und Dichte zu erfassen. In Invasionsgebieten werden zur Bestandsregulierung Lebendfallen eingesetzt, gefolgt von Umsiedlung oder letaler Entnahme zum Schutz bedrohter Vogelarten.[3]
Die wirtschaftliche Bedeutung des Braunbrustigels (*Erinaceus europaeus*) wird in seinem nativen Verbreitungsgebiet überwiegend positiv bewertet, da die Art als Nützling in der biologischen Schädlingsbekämpfung fungiert. Als opportunistischer Insektenfresser vertilgt ein Igel während seiner Aktivitätsphasen bis zu 85 Gramm Wirbellose pro Nacht, wobei Nacktschnecken (*Arion* spp.), Gehäuseschnecken und Käferlarven einen signifikanten Teil der Nahrung ausmachen. Durch diesen Fraßdruck auf potenzielle Agrar- und Gartenschädlinge erbringt die Art eine ökologische Dienstleistung, die den Einsatz kostenintensiver chemischer Pflanzenschutzmittel reduzieren kann. Historisch wurden Igel in ländlichen Regionen Europas vereinzelt als Nahrungsquelle oder für volksmedizinische Zwecke genutzt, eine kommerzielle Verwertung findet heute jedoch nicht mehr statt. Gegensätzliche wirtschaftliche Auswirkungen zeigen sich in Gebieten, in die der Igel durch den Menschen eingeschleppt wurde, wie etwa in Neuseeland oder auf den schottischen Hebriden-Inseln. Dort verursacht die Art als invasiver Prädator massive Schäden an Kolonien bodenbrütender Vögel, was kostenintensive staatliche Bekämpfungs- und Umsiedlungsprogramme notwendig macht. So wurden beispielsweise auf den Uist-Inseln erhebliche finanzielle Mittel, unter anderem fast 100.000 Pfund durch die schottische Regierung, für Fallenfang und Management bereitgestellt, um die Biodiversität zu schützen. Im nativen Habitat gelten negative Einflüsse, wie der gelegentliche Verzehr von nützlichen Regenwürmern, im Vergleich zum Nutzen als vernachlässigbar.[3]