Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Porcellio scaber*, wobei die Erstbeschreibung im Jahr 1804 durch den französischen Entomologen Pierre André Latreille erfolgte.[1][2] Latreille etablierte das Binomen in seinem Werk *Histoire Naturelle, générale et particulière, des crustacés et des insectes*. Der Gattungsname *Porcellio* leitet sich vom lateinischen Begriff *porcellus* ab, was „kleines Schwein“ bedeutet und auf die rundliche Körperform anspielt. Das Artepitheton *scaber* entstammt ebenfalls dem Lateinischen („rau“, „schuppig“) und beschreibt das charakteristisch granulierte, warzige Exoskelett dieser Landassel. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Kellerassel der gebräuchliche Trivialname. International sind englische Bezeichnungen wie „common rough woodlouse“ oder „slater“ verbreitet. Die nomenklatorische Geschichte umfasst diverse historische Synonyme, die heute nicht mehr gültig sind, darunter *Oniscus granulatus* Lamarck, 1818, *Porcellio brandtii* Milne-Edwards, 1841 und *Philoscia tuberculata* Stimpson, 1856. Während frühere Varietäten wie *Porcellio scaber japonicus* und *Porcellio scaber americanus* inzwischen als Synonyme der Nominatform gelten, wird *Porcellio scaber lusitanus* (Verhoeff, 1907) als endemische Unterart der Iberischen Halbinsel anerkannt.[1] Systematisch steht die Art innerhalb der Ordnung der Asseln (Isopoda) in der Familie der Porcellionidae.[1][2]
Porcellio scaber besitzt einen ovalen, dorsoventral abgeflachten Körper, der eine Länge von 8,5 bis 18 mm erreicht. Der Körper gliedert sich in den Kopf (Cephalon), den aus sieben Segmenten bestehenden Thorax (Pereion) und das sechsgliedrige Abdomen (Pleon) mit Telson.[1] Charakteristisch ist das stark granulierte, warzige Exoskelett aus kalkhaltigem Chitin, dessen raue Oberfläche das Art-Epitheton scaber (rau) begründet.[4][2] Die Grundfärbung ist typischerweise schiefergrau bis tiefblau, wobei die Ventralseite meist blasser erscheint und eine Tarnung im Laubstreu ermöglicht.[1] Es treten genetisch bedingte Farbvariationen auf, darunter braune, rötliche (erythristische) oder orange Morphen sowie gescheckte Muster, die oft auf Weibchen beschränkt sind.[2] Am Kopf befinden sich sitzende Komplexaugen und zwei Antennenpaare, wobei das zweite Paar deutlich länger ist und sensorische Borsten zur Chemorezeption trägt. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die weißen Pseudotracheen an den Außenästen der ersten zwei Hinterleibsbeinpaare, die als Lungen für die Luftatmung fungieren. Adulte Tiere verfügen über sieben Laufbeinpaare am Pereion, die für die terrestrische Fortbewegung optimiert sind. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich darin, dass Männchen eine genitale Projektion am hinteren Pereion besitzen, während Weibchen oft heller gefärbt sind und ein ventrales Marsupium (Brutsack) ausbilden.[1] Jungtiere schlüpfen als sogenannte Manca-Larven, die wie Miniatur-Adulte wirken, denen jedoch zunächst das siebte Laufbeinpaar fehlt. Die Eier, deren Anzahl je nach Körpergröße des Weibchens zwischen 12 und 90 variiert, werden bis zum Schlupf im Marsupium getragen.[2] Im Gegensatz zu Rollasseln wie Armadillidium vulgare kann sich P. scaber bei Gefahr nicht zu einer vollständigen Kugel einrollen, sondern krümmt sich nur unvollständig.[3] Von der ähnlich verbreiteten Mauerassel (Oniscus asellus) unterscheidet sie sich primär durch die matte, raue Oberflächenstruktur im Vergleich zum glatten Panzer der Verwandten.[1]
Die Kellerassel (*Porcellio scaber*) ist eine terrestrische Isopodenart aus der Familie der Porcellionidae, die sich durch ihren abgeflachten, elliptischen Körper und ein charakteristisches, rau-warziges Exoskelett auszeichnet.[1][2] Ursprünglich in Zentral- und Westeuropa beheimatet, hat sich dieser Kulturfolger durch menschliche Verschleppung weltweit in gemäßigten Klimazonen etabliert und gilt heute als kosmopolitisch verbreitet.[2][3] Im natürlichen Lebensraum erscheint die Art meist schiefergrau bis dunkelblau, wobei die Färbung auf der Bauchseite blasser ist, was eine effektive Tarnung im Laubstreu bietet.[1][2] Der bis zu 18 mm lange Körper gliedert sich in den Kopf (Cephalon), sieben Thoraxsegmente (Pereion) mit je einem Laufbeinpaar und den Hinterleib (Pleon), der in einem Telson mit stabilisierenden Uropoden endet. Eine wesentliche anatomische Anpassung an das Landleben sind die weißen Pseudotracheen an den ersten zwei Pleopodenpaaren, die als Lungenersatz den direkten Gasaustausch in feuchter Luft ermöglichen.[2] Da der kalzifizierten Kutikula eine schützende Wachsschicht fehlt, ist die Art anfällig für Austrocknung und zeigt ein ausgeprägtes Kontaktverhalten (Thigmokinesis), indem sie sich tagsüber in Gruppen unter Steinen oder Totholz zusammenfindet. Im Vergleich zu feuchtigkeitsliebenderen Arten wie *Oniscus asellus* toleriert *Porcellio scaber* etwas trockenere Mikrohabitate, bevorzugt jedoch weiterhin eine relative Luftfeuchtigkeit von 70–90 %.[1][2] Die Entwicklung verläuft direkt ohne Metamorphose; aus dem Marsupium (Brutbeutel) des Weibchens schlüpfen nach etwa 35 Tagen sogenannte Manca-Larven. Diese Jungtiere gleichen den Adulten bereits stark, unterscheiden sich jedoch durch das Fehlen des siebten Beinpaares, das erst nach der ersten Häutung ausgebildet wird.[2] Bis zur Geschlechtsreife durchlaufen die Tiere 8 bis 12 Häutungen über einen Zeitraum von etwa 14 bis 21 Monaten, wobei die Häutungsfrequenz stark von der Umgebungsfeuchtigkeit und Nahrungsverfügbarkeit abhängt. Ein Sexualdimorphismus ist über den Lebenszyklus erkennbar: Männchen besitzen modifizierte Pleopoden (Gonopoden) zur Spermienübertragung, während Weibchen oft heller gefärbt sind und während der Fortpflanzungszeit das ventrale Marsupium ausbilden.[1][2] Neben der wildtypischen Graufärbung treten genetisch bedingte Farbvarianten auf, darunter orangefarbene Morphen oder – geschlechtsgebunden bei Weibchen – gesprenkelte Varianten.[2] Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Art 1804 durch Pierre André Latreille; der Artname *scaber* (lateinisch für „rau“) verweist auf die typische tuberkulierte Oberflächenstruktur des Panzers.[2][4] Historisch wurden diverse Unterarten wie *Porcellio scaber lusitanus* beschrieben, die jedoch meist als geografische Varianten der Nominatform betrachtet werden. Als Detritivoren spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem, indem sie organisches Material zersetzen und Nährstoffe in den Bodenkreislauf zurückführen.[2]
Porcellio scaber ist nachtaktiv und zeigt eine negative Phototaxis sowie Thigmokinese, wodurch die Tiere gezielt dunkle Spalten und den Kontakt zu festen Oberflächen suchen. Zur Orientierung nutzt die Art Orthokinese, bei der die Laufgeschwindigkeit an Umweltreize wie Feuchtigkeit angepasst wird, sowie Klinokinese zur Änderung der Wenderate.[1] Ein spezifisches Muster bei der Fortbewegung ist die alternierende Wendung (Turn Alternation), bei der auf eine Rechtsdrehung meist eine Linksdrehung folgt, um eine effiziente Raumerkundung zu gewährleisten.[2] Die Art zeigt ein ausgeprägtes Aggregationsverhalten, bei dem sich bis zu 90 % der Individuen in feuchten Verstecken zusammenfinden, um den Wasserverlust zu minimieren und das Prädationsrisiko zu senken.[1] Diese Gruppenbildung wird durch chemische Signale und Pheromone koordiniert, die unter anderem über den Kot abgegeben werden und eine gegenseitige Anziehung bewirken.[2] Bei Bedrohung kann *P. scaber* klebrige Chinolin-Derivate absondern, die Fressfeinde wie Spinnen durch Verkleben der Mundwerkzeuge abwehren.[2] Zusätzlich nutzen die Tiere Thanatose (Totstellreflex), wobei die Dauer der Starre je nach individuellem „Persönlichkeitstyp“ (mutig oder scheu) variiert.[4] Im Gegensatz zu Kugelasseln ist *P. scaber* nur zu einer unvollständigen Einrollung (Konglobation) fähig, um die weichere Unterseite zu schützen. Die Nahrungssuche erfolgt primär über Chemorezeptoren an den Antennen, die mikrobielle Stoffwechselprodukte auf zersetzendem Laub wahrnehmen.[1]
Als Destruent ernährt sich *Porcellio scaber* primär von zerfallendem Pflanzenmaterial wie Laubstreu, das durch mikrobiellen Abbau vorverarbeitet ist.[1] Die Art zeigt dabei eine selektive Präferenz für Streu, die von Gram-positiven Actinomyceten wie *Streptomyces celluloflavus* besiedelt ist, und meidet frisches Pflanzenmaterial. Die Verdauung von Lignocellulose wird durch ein spezialisiertes Darmmikrobiom und endosymbiotische Bakterien im Hepatopankreas unterstützt, die Cellulasen produzieren. Durch die Zersetzung organischer Substanz und die Ausscheidung nährstoffreicher Exkremente spielt die Art eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf und für die Bodenfruchtbarkeit.[2] Zu den natürlichen Feinden zählen spezialisierte Räuber wie die Sechsaugenspinne (*Dysdera crocata*) sowie Laufkäfer, Hundertfüßer, Amphibien und Vögel wie Drosseln. Zusätzlich werden die Populationen von Parasiten wie Iridoviren und *Wolbachia*-Bakterien beeinflusst. Um Wasserverluste über die durchlässige Kutikula zu minimieren, ist *Porcellio scaber* auf Mikrohabitate mit einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % bis 90 % angewiesen.[1] Die Tiere aggregieren häufig unter Steinen, Totholz oder in der Laubstreu, um sich vor Austrocknung und Temperaturextremen zu schützen. In invasiven Verbreitungsgebieten wie subantarktischen Inseln konkurriert die Art mit einheimischen Detritivoren wie *Styloniscus australis* und verändert dadurch lokale Nährstoffkreisläufe. Aufgrund ihrer Ernährungsweise akkumulieren die Tiere Schwermetalle wie Cadmium und Blei aus dem Boden, weshalb sie ökologisch als Bioindikatoren für Umweltbelastungen relevant sind.[2]
Porcellio scaber gilt ökologisch primär als Nützling, da die Art als Detritivorus organisches Material zersetzt und so maßgeblich zur Bodengesundheit und dem Nährstoffkreislauf beiträgt.[1] In menschlichen Siedlungen wird die Kellerassel oft als Lästling wahrgenommen, wenn sie in feuchte Keller oder Wohnbereiche eindringt, verursacht jedoch kaum Schäden an lebenden Pflanzen.[3] Die Tiere bevorzugen mikrobiell zersetztes Laub gegenüber frischem Pflanzenmaterial, da sie auf die mikrobielle Anreicherung zur Verdauung angewiesen sind.[2] Als invasive Spezies kann *P. scaber* jedoch in sensiblen Ökosystemen, wie auf subantarktischen Inseln, die native Biodiversität durch Konkurrenz mit einheimischen Detritivoren gefährden.[2] Die effektivste Prävention besteht in der Reduktion der Luftfeuchtigkeit, da die Krebstiere Werte zwischen 70 % und 90 % benötigen, um Austrocknung zu vermeiden. Bauliche Maßnahmen zur Abdichtung und das Entfernen von organischem Detritus in Gebäudenähe entziehen ihnen notwendige feuchte Mikrohabitate.[1] Ein Monitoring kann durch das Auslegen von Unterschlüpfen erfolgen, da die Tiere ein ausgeprägtes Aggregationsverhalten zeigen und sich zu Gruppen von bis zu 70 Individuen zusammenfinden.[2] Zur natürlichen Regulation tragen Prädatoren wie die spezialisierte Asseljäger-Spinne *Dysdera crocata*, Vögel und Amphibien bei.[3] Gegen Angreifer setzt sich *P. scaber* chemisch durch die Sekretion klebriger Quinolin-Derivate zur Wehr, die insbesondere Spinnen abschrecken.[2] Für die gezielte Bekämpfung im Haushalt existieren Insektizid-Formulierungen, die sowohl vernichtend als auch repellierend wirken.[1] In der Umwelttoxikologie dient die Art zudem als Bioindikator, da sie Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Zink akkumuliert und empfindlich auf Bodenkontaminationen reagiert.[4]
Die wirtschaftliche Bedeutung von *Porcellio scaber* ist ambivalent und umfasst sowohl Funktionen als Nützling im Ökosystem und in der Forschung als auch Aspekte als Lästling. Als Detritivorus spielt die Art eine wesentliche Rolle bei der Zersetzung organischen Materials und Pilzen, wodurch sie zur Bodenfruchtbarkeit und zum Nährstoffrecycling beiträgt.[1][2] Aufgrund ihrer weltweiten Verbreitung und leichten Kultivierbarkeit dient die Kellerassel als etablierter Modellorganismus in der ökotoxikologischen Forschung, insbesondere zur Bewertung von Umweltchemikalien.[1] Spezifische wirtschaftliche Relevanz besitzt die Art als Bioindikator, da sie Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Zink im Gewebe akkumuliert und so zur Überwachung von Bodenkontaminationen eingesetzt wird. Neuere Studien nutzen *Porcellio scaber* zudem zur Bewertung der Sanierungseffizienz bei mit Erdölprodukten verunreinigten Böden. Im Heimtiersektor hat sich die Art als kommerziell gehandeltes Element für bioaktive Terrarien etabliert, wo sie als „Bodenpolizei“ Abfälle verwertet; selektive Zuchtprogramme haben hierfür diverse Farbvarianten hervorgebracht.[2] Ein technologischer Transfer biologischer Prinzipien erfolgte durch den „Porcellio Scaber Algorithmus“ (PSA), ein metaheuristisches Verfahren, das das Aggregations- und Suchverhalten der Tiere zur Lösung komplexer Ingenieursprobleme wie der Materialoptimierung von Druckbehältern imitiert.[4] Als Schädling tritt die Art primär als Lästling in Wohnbereichen auf, wofür spezifische Insektizide und Repellents für den Haushalts- und Textilbereich entwickelt wurden.[1] Da die Tiere frisches Pflanzenmaterial meist meiden und mikrobiell vorzersetztes Substrat bevorzugen, sind direkte Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen gering, obwohl sie in Gärten hohe Populationsdichten erreichen können.[2][3] In invasiven Verbreitungsgebieten, wie auf subantarktischen Inseln, verdrängt *Porcellio scaber* jedoch heimische Arten und verändert Nährstoffkreisläufe, was negative Auswirkungen auf die lokale Biodiversität hat.[2]