Fakten (kompakt)
- Als ältester fossiler Beleg galt lange Zeit *Aphodiites protogaeus* aus dem Lias, dessen systematische Zuordnung jedoch mittlerweile angezweifelt wird.[15] - Ein im Jura Chinas entdecktes Fossil, *Alloioscarabaeus*, liefert wichtige Hinweise auf die frühe Diversifizierung der Gruppe. - Die Atemöffnungen (Stigmata) der Larven sind morphologisch charakteristisch als siebförmige (cribriforme) Strukturen ausgebildet. - Punktaugen (Ocelli) fehlen den meisten Larven vollständig und sind lediglich bei manchen Vertretern der Unterfamilien Dynastinae und Cetoniinae vorhanden.[8] - Historische Patente aus den 1940er Jahren beschreiben mechanische Vorrichtungen, die speziell dafür konstruiert waren, in das Erdreich einzugreifen und die Larven physisch zu vernichten. - Eine weitere historische Methode kombinierte die Bekämpfung durch das Stanzen von Löchern in Wiesenböden direkt mit der Nachsaat von Grassamen zur Regeneration der Grasnarbe.[2]
Die Bezeichnung Engerling steht als Trivialname für die Larven der Käferfamilie *Scarabaeidae* (Blatthornkäfer), wobei im engeren Sinne oft speziell die Larve des Maikäfers (*Melolontha*) gemeint ist. Der wissenschaftliche Name der Familie *Scarabaeidae*, die taxonomisch der Ordnung Coleoptera (Käfer) zugehörig ist, wurde 1802 von Latreille eingeführt. Etymologisch leitet sich der Gattungsname *Scarabaeus* vom griechischen *ho skarabáios* ab, einem Begriff, der bereits im Altertum für Käfer verwendet wurde. Die Gattung *Melolontha* geht auf das griechische *he mélolónthē* zurück, was ebenfalls einen Käfer bezeichnet. Systematisch werden die Blatthornkäfer im weiteren Sinne auch der Gruppe der Lamellicornia zugeordnet.[3] Die Larven sind durch eine C-förmige Krümmung und eine weiche Haut charakterisiert und historisch als bedeutende Pflanzenschädlinge im Boden („Wurzelfresser“) bekannt.[3][4] In der Nomenklatur grenzt sich der Begriff Engerling von anderen bodenlebenden Larven wie den Drahtwürmern der Schnellkäfer ab.[3]
Die Larven der Scarabaeidae, gemeinhin als Engerlinge bezeichnet, weisen einen charakteristisch C-förmig gekrümmten Körper auf.[6] Ihr Körper ist weichhäutig, dick und meist weißlich bis gelblich gefärbt, wobei der Hinterleib oft durch den Darminhalt dunkel erscheint.[6][7] Der Kopf besteht aus einer harten, sklerotisierten Kapsel, die meist braun bis rötlich gefärbt ist und kräftige Mandibeln trägt. Am Thorax befinden sich drei gut entwickelte Beinpaare, während Bauchfüße am Abdomen fehlen. Die adulten Käfer zeichnen sich durch Fühler aus, die in einer fächerartigen Keule aus beweglichen Lamellen enden. Ihre Vorderbeine besitzen Schienen (Tibiae), die oft gezahnt oder am Außenrand gesägt sind, um das Graben zu erleichtern. Die Deckflügel der Imagines sind variabel geformt und lassen bei einigen Gruppen das Pygidium unbedeckt.[6] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal bei den Larven ist die Art der Fortbewegung; so kriechen die Engerlinge des Rosenkäfers (*Cetonia aurata*) auf dem Rücken, im Gegensatz zu den Larven des Maikäfers. Die Larven von *Melolontha melolontha* entwickeln sich über mehrere Jahre im Boden und erreichen eine beträchtliche Größe. Kleinere Arten wie der Gartenlaubkäfer (*Phyllopertha horticola*) oder *Anomala dubia* besitzen ebenfalls Engerlinge, die Wurzelfraß verursachen, jedoch kleiner bleiben.[7]
Die ökologische und ökonomische Bedeutung der Engerlinge ist ambivalent und reicht von nützlichen Humusbildnern bis hin zu gravierenden Pflanzenschädlingen. Während die Larven von *Cetonia aurata* (Rosenkäfer) und *Oryctes nasicornis* (Nashornkäfer) als Zersetzer in Kompost und Totholz ökologisch wertvoll sind, verursachen Arten der Unterfamilien Melolonthinae, Rutelinae und Dynastinae massive Schäden in der Land- und Forstwirtschaft.[8][4] Zu den primären Schädlingen zählen die Larven von *Melolontha* spp. (Maikäfer), *Amphimallon solstitiale* (Gerippter Brachkäfer) und *Phyllopertha horticola* (Gartenlaubkäfer), die durch Wurzelfraß zum Welken und Absterben von Pflanzen führen.[8][4] Ein typisches Sekundärschadbild auf Rasenflächen entsteht durch Vögel oder Wildschweine, die auf der Suche nach den Larven die Grasnarbe aufbrechen.[8] Der invasive *Popillia japonica* (Japankäfer) stellt als Quarantäneschädling eine besondere Bedrohung dar, da seine Larven Graswurzeln zerstören und die Imagines Blätter skelettieren.[4] In der Imkerei verursacht der Kleine Beutenkäfer (*Aethina tumida*) Schäden, indem seine Larven Pollen und Honig fressen und letzteren zur Gärung bringen.[8][4] Medizinisch relevant ist die Rolle einiger *Scarabaeidae* als Zwischenwirte für Parasiten wie den Riesenkratzer (*Macracanthorhynchus hirudinaceus*), der Schweine und selten den Menschen infiziert.[4] Historische Bekämpfungsansätze umfassten mechanische Vorrichtungen zur physischen Vernichtung im Boden sowie den Einsatz chemischer Vertilgungsmittel.[11][12] Moderne Strategien setzen verstärkt auf biologische Maßnahmen, wie die Ausbringung von entomopathogenen Nematoden oder Bakterien (z. B. *Paenibacillus popilliae* gegen Japankäfer).[4][13] Auch mechanische Methoden zur Bodenbearbeitung und gleichzeitigen Nachsaat wurden zur Regeneration geschädigter Flächen entwickelt.[14]