Die Art wird wissenschaftlich aktuell als *Arvicola amphibius* geführt, wobei die Erstbeschreibung durch Carl Linnaeus im Jahr 1758 unter dem Namen *Mus amphibius* erfolgte.[2] In der angewandten Literatur, beispielsweise im Pflanzenschutz, sowie in älteren Werken ist das Synonym *Arvicola terrestris* (Linnaeus, 1758) weit verbreitet und gebräuchlich.[2][3] Linnaeus benannte ursprünglich in der *Systema Naturae* sowohl *Mus amphibius* (für die aquatische Form) als auch *Mus terrestris* (für die terrestrische Form), was historisch zu taxonomischer Verwirrung führte.[2] Erst phylogenetische und morphologische Revisionen im frühen 21. Jahrhundert stellten *A. amphibius* als den validen Senior-Synonym wieder her, während *A. terrestris* heute als Junior-Synonym betrachtet wird. Systematisch gehört die Große Wühlmaus zur Gattung *Arvicola* (Schermäuse) innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) und der Unterfamilie Arvicolinae.[2][1] Innerhalb der Gattung wird sie von der Gebirgsschermaus (*Arvicola scherman*) und der Südwesteuropäischen Schermaus (*Arvicola sapidus*) abgegrenzt, wobei *A. amphibius* die nördliche, im Tiefland lebende aquatische Linie repräsentiert.[2] Der deutsche Trivialname lautet Große Wühlmaus; aufgrund ihres Habitus wird sie oft als „rattenähnlich“ beschrieben, unterscheidet sich jedoch durch den behaarten Schwanz von echten Ratten.[2][3] Im englischen Sprachraum sind die Bezeichnungen „European water vole“ oder „northern water vole“ etabliert.[2] Die Art gilt als polytypisch mit bis zu 16 anerkannten Unterarten, darunter die Nominatform *A. a. amphibius* aus Mitteleuropa und *A. a. relictus*.[2]
Die Große Wühlmaus (*Arvicola terrestris*, syn. *A. amphibius*) ist ein robuster, rattenähnlicher Nager mit einem walzenförmigen Körper und einem gedrungenen, großen Kopf. Adulte Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 12 bis 24 cm sowie ein Gewicht zwischen 80 und 320 g, wobei aquatische Populationen oft schwerer werden als terrestrische Formen. Der Schwanz misst 7 bis 14 cm, was etwa der Hälfte oder weniger der Körperlänge entspricht. Im Gegensatz zum nackten, schuppigen Schwanz der Ratten (*Rattus* spp.) ist der Schwanz dieser Art vollständig behaart.[2] Das dichte Fell ist in der Färbung variabel; die Oberseite reicht von kastanienbraun über graubraun bis braunschwarz, während die Unterseite meist heller bis gelblich getönt ist.[3][2] Im Winter bildet sich ein dickeres, glänzenderes Fell, das eine bessere Isolation gegen kaltes Wasser bietet.[2] Der Kopf zeichnet sich durch eine stumpfe, abgerundete Schnauze sowie kleine, fast vollständig im Fell versteckte Ohren aus.[3][2] Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig, wobei die Hinterfüße mit Säumen aus steifen Haaren versehen sind, die beim Schwimmen die Antriebseffizienz steigern. Ein Sexualdimorphismus ist erkennbar, da Männchen mit durchschnittlich 210 mm Kopf-Rumpf-Länge etwas größer sind als Weibchen mit etwa 187 mm.[2] Die Zähne, insbesondere die Schneidezähne, werden aktiv zum Lösen von Erde beim Graben eingesetzt und mit den Beinen entfernt.[3] Jungtiere kommen nackt zur Welt, wobei Augen und Ohren zunächst geschlossen sind; die Augen öffnen sich erst ab dem 10. Tag bei einem Gewicht von 6 bis 7 g.[3][2] Das Jugendkleid unterscheidet sich teils durch einen stärkeren Glanz, und die erste Mauser erfolgt erst im Alter von fast einem Jahr.[2]
Die Große Wühlmaus (*Arvicola terrestris*, taxonomisch aktuell meist *Arvicola amphibius*) wird in der Landwirtschaft und in Gartenbetrieben als relevanter Pflanzenschädling klassifiziert. Das Schadpotenzial umfasst massiven Fraß an Wurzeln, Knollen, Zwiebeln und Rhizomen verschiedener Nutzpflanzen. Im forstwirtschaftlichen Kontext entstehen Schäden primär an Laubbäumen durch Fraß an Baumwurzeln, Rinde und Holz. Auf Grünlandflächen führt die Wühltätigkeit zur Zerstörung der Grasnarbe.[3] Darüber hinaus können die ausgedehnten Grabaktivitäten Uferböschungen destabilisieren und Erosion begünstigen. Medizinisch ist die Art als Reservoirwirt für das Bakterium *Francisella tularensis* (Tularämie) relevant, welches auf den Menschen übertragen werden kann.[2] Ein Befall lässt sich durch hochovale Gangöffnungen mit einer Breite von über 5 cm identifizieren. Charakteristisch für die Unterscheidung zum Maulwurf ist, dass die flachen Erdhaufen neben den Gängen liegen und nicht direkt darüber. Die Gangsysteme verlaufen meist in etwa 5 cm Erdtiefe und können Gesamtlängen von bis zu 109 Metern erreichen.[3] Zur natürlichen Regulation tragen Prädatoren wie Rotfuchs (*Vulpes vulpes*), Hermelin, Graureiher und Eulen bei.[2] Während die Art in Kontinentaleuropa bei Massenvermehrungen von bis zu 500 Tieren pro Hektar bekämpft wird, unterliegt sie in Großbritannien aufgrund starker Rückgänge durch den invasiven Amerikanischen Nerz (*Neovison vison*) strengem gesetzlichen Schutz.[2][1]