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Radieschen Raphanus sativus var. sativus

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Taxonomische Klassifikation

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Brassicales (Brassicales)
Familie Brassicaceae
Gattung Raphanus
Art Raphanus sativus sativus
Wissenschaftlicher Name: Raphanus sativus var. sativus
Akzeptierter Name
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Einleitung

Das **Radieschen** (*Raphanus sativus* var. *sativus*), auch Radies oder selten Monatsrettich genannt, ist eine Varietät des Garten-Rettichs aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Die als Nutzpflanze kultivierte Art bildet eine bis zu vier Zentimeter dicke Speicherknolle, deren typischer scharfer Geschmack durch Senfölglycoside verursacht wird.[1] In Europa etablierte sich das Gemüse im 16. Jahrhundert, wobei die genaue Herkunft unklar ist.[2]

Fakten (kompakt)

- Die seltene, saisonale Sorte „Riese von Aspern“ aus der Region Wien erreicht Durchmesser von bis zu 6 cm und wurde in die *Arche des Geschmacks* von Slow Food aufgenommen.[9] - In Bezug auf den Nährwert enthalten 100 g des verzehrbaren Anteils etwa 27 bis 29 mg Vitamin C sowie nennenswerte Mengen an Kalium (225–255 mg) und Calcium (34–35 mg).[10] - Physiologische Studien zeigen, dass Radieschen bei Bodenkontamination das toxische Halbmetall Arsen vorwiegend in den Wurzeln und Knollen akkumulieren, wobei die Konzentration in den Wurzeln um eine Größenordnung höher liegt als in der essbaren Knolle. - Im Vergleich zu anderen Gemüsesorten wie Salat, Karotten und Tomaten weisen die essbaren Teile von *Raphanus sativus* bei gleicher Bodenbelastung die höchsten Arsen-Gehalte auf. - Unter starkem abiotischen Stress durch Schwermetalle verändern sich die anatomischen Strukturen der Pflanze, was sich in einem verringerten Gefäßdurchmesser im sekundären Xylem und einer Ausdünnung der Anthocyan-Schicht unter der Schale äußert. - Glutamin stellt mit einem Anteil von 30,4 bis 49,9 % die am häufigsten vorkommende freie Aminosäure in der Knolle dar. - Als Reaktion auf Stressfaktoren steigt der Gehalt des Phytohormons Jasmonssäure in den Knollen signifikant an, während die Produktion von antioxidativen Metaboliten wie Ascorbinsäure bei sehr hoher Belastung (100 mg/kg Bodenkontamination) um bis zu 70 % einbrechen kann.[4]

Name & Einordnung

Das Radieschen (*Raphanus sativus var. sativus*) ist eine Varietät des Garten-Rettichs (*Raphanus sativus*) und wird der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) zugeordnet. Der deutsche Name leitet sich etymologisch vom lateinischen Begriff *radix* für ‚Wurzel‘ ab. Neben der gängigen Bezeichnung ist die Pflanze auch als Radies oder seltener als Monatsrettich bekannt.[3] In der wissenschaftlichen Nomenklatur wird das Taxon teilweise mit der Autorenangabe Pers. (Persoon) geführt, wie etwa in aktuellen physiologischen Untersuchungen. Im englischsprachigen Raum wird die Varietät unter anderem als „Cherry Radish“ bezeichnet.[4] Historisch etablierte sich das Radieschen in Europa erst im 16. Jahrhundert, wobei die ursprüngliche Herkunft der Pflanze ungeklärt ist. Die Verbreitung in Europa erfolgte zunächst über die französische Küche.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Das Radieschen (*Raphanus sativus* var. *sativus*) bildet eine bis zu etwa vier Zentimeter dicke Speicherknolle aus. Diese ist im Inneren weiß, während die Außenhaut zumeist weinrot bis rot gefärbt ist, wobei sortenabhängig auch andere Farben vorkommen. Neben der klassischen runden Form existieren zylindrische oder kegelförmige Varianten, wie etwa die weiße Sorte „Eiszapfen“. Das Farbspektrum der Schale ist vielfältig und reicht von Rot-Weiß und Gelb bis hin zu Grün-Rosa oder Violett.[1] Anatomisch weist die Knolle unter der Peridermschicht eine Anthocyan-Schicht auf, welche für die rote Pigmentierung verantwortlich ist. Im mikroskopischen Querschnitt lassen sich Cortex, sekundäres Xylem und Gefäße differenzieren. Die Wurzeln zeigen im Vergleich zur Knolle eine stärkere Differenzierung des sekundären Xylems. Unter Stressbedingungen können anatomische Veränderungen wie eine Ausdünnung der Anthocyan-Schicht, eine Reduktion der Pigmentierung oder schwarze Flecken auf dem Hypokotyl auftreten.[4] Der typische scharfe Geschmack entsteht durch ein Senföl, das bei Verletzung des Gewebes aus den in der Pflanze enthaltenen Senfölglycosiden freigesetzt wird.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Das Radieschen (*Raphanus sativus* var. *sativus*) ist eine wirtschaftlich genutzte Pflanze, deren Speicherknolle als Lebensmittel dient. Qualitätsminderungen im Anbau entstehen häufig durch Trockenheit, welche Geschmack und Konsistenz negativ beeinflusst, oder durch eine verspätete Ernte, die zum Verholzen der Knollen führt. Zur Prävention von Welke und Qualitätsverlust nach der Ernte empfiehlt sich die Entfernung des Laubes und eine kühle Lagerung. Im Rahmen der Mischkultur ist die Allelopathie zu beachten; so gelten Bohnen und Kopfsalat als günstige Nachbarn, während Gurken das Wachstum negativ beeinflussen können. Eine spezifische Gefahr stellt die Akkumulation von toxischem Arsen (As) in den essbaren Teilen dar, sofern der Boden kontaminiert ist. Da die Pflanze Arsen effektiv in die Knolle verlagert, besteht ein potenzielles Gesundheitsrisiko für den Menschen durch den Verzehr belasteter Ware. Symptome einer hohen Arsen-Belastung zeigen sich anatomisch durch verringerte Gefäßdurchmesser in den Wurzeln sowie eine Ausdünnung der Anthocyanidinschicht, was zu einer reduzierten roten Pigmentierung unter der Peridermschicht führt. Physiologisch reagiert die Pflanze auf diesen Stress mit einer Zunahme des Stresshormons Jasmonsäure und einer signifikanten Abnahme antioxidativer Metaboliten wie Ascorbinsäure. Unbelastete Knollen liefern hingegen wertvolle Nährstoffe wie Vitamin C und Kalium, wobei der typische scharfe Geschmack durch Senfölglycoside entsteht, die bei mechanischer Verletzung freigesetzt werden.[4]

Biologie & Lebenszyklus

Das Radieschen (*Raphanus sativus* var. *sativus*) ist eine schnellwüchsige Nutzpflanze, deren Entwicklungszyklus mit der Keimung der Samen beginnt, welche etwa eine Woche dauert. Die vegetative Phase bis zur Ausbildung der erntereifen Speicherknolle beträgt im Frühjahr vier bis sechs Wochen. Die Entwicklungsdauer unterliegt physiologischen Schwankungen durch den Photoperiodismus; unter Kurztagsbedingungen im Herbst oder Winter kann sich die Wachstumszeit auf bis zu zehn Wochen verlängern. Die bis zu vier Zentimeter dicke Knolle speichert Anthocyane unter der Peridermschicht, welche für die typische rote Färbung verantwortlich sind. Bei abiotischem Stress, wie etwa durch Bodenkontaminationen, kann sich diese pigmentierte Schicht verdünnen und die Farbausprägung abnehmen. Anatomisch weisen die Wurzeln im Vergleich zum Knollengewebe eine stärkere Differenzierung des sekundären Xylems auf. Die Morphogenese der Knolle wird durch die Saattiefe beeinflusst; bei einer Tiefe von mehr als 1,5 cm neigt das Organ zu einer länglichen Verformung. Physiologisch reagiert die Pflanze auf Stressfaktoren mit Anpassungen im Phytohormonhaushalt, wobei unter anderem der Gehalt an Jasmonsäure steigt, während Auxine wie Indol-3-essigsäure abnehmen können.[4] Der charakteristische scharfe Geschmack basiert auf Senfölen, die bei mechanischer Verletzung des Gewebes aus den enthaltenen Senfölglycosiden (z. B. Sinigrin) freigesetzt werden. In der reproduktiven Phase bildet die Pflanze Schoten aus, in denen das Saatgut heranreift. Ökologische Wechselwirkungen werden durch Allelopathie beeinflusst, weshalb Radieschen gut mit Bohnen oder Salat, jedoch schlecht mit Gurken vergesellschaftet werden können. Eine Unterversorgung mit Nährstoffen führt zu unterentwickelten Knollen und kann bewirken, dass Samen von Mangelpflanzen in der Folgegeneration nur rudimentäre Knollenanlagen bilden.[4]

Vorkommen & Lebensraum

Die genaue geographische Herkunft des Radieschens (*Raphanus sativus var. sativus*) ist bis heute ungeklärt.[2] In Europa etablierte sich die Varietät im 16. Jahrhundert, wobei die Verbreitung zunächst über die französische Küche erfolgte und sich anschließend über den gesamten Kontinent ausdehnte.[2] Heute liegen die Schwerpunkte des weltweiten Anbaus in den Vereinigten Staaten sowie in Europa. Innerhalb Deutschlands ist das Radieschen eine bedeutende Kulturpflanze, die 2019 auf einer Fläche von 3.425 Hektar mit einer Erntemenge von rund 79.500 Tonnen angebaut wurde. Das Hauptanbaugebiet ist Rheinland-Pfalz, aus dem etwa 80 % der deutschen Ernte stammen, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 12 %.[6] Als Kulturpflanze besiedelt das Radieschen vorwiegend landwirtschaftliche Nutzflächen und Gärten, wobei der Anbau im Freiland ab März sowie in Gewächshäusern für die Herbst- und Winterproduktion erfolgt. Für eine optimale Entwicklung der Speicherknolle benötigt die Pflanze eine flache Saattiefe von 1 bis 1,5 cm und profitiert von Kompostdüngung.[1] In wissenschaftlichen Versuchen wurde die Pflanze erfolgreich auf Schwarzerde-Böden (Haplic Chernozem) kultiviert.[4] In der Mischkultur teilt sich *Raphanus sativus var. sativus* den Lebensraum häufig mit Bohnen, Erbsen, Kohl oder Kopfsalat, während die direkte Nachbarschaft zu Gurken oder Wassermelonen gemieden wird.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die Aussaat von *Raphanus sativus var. sativus* kann im Freiland bereits ab März erfolgen, wobei zu diesem frühen Zeitpunkt oft Folientunnel zum Einsatz kommen. Die Keimzeit beträgt etwa eine Woche, und die Erntereife wird in der Regel nach vier bis sechs Wochen erreicht. Für spätere Aussaaten ab Mai werden spezifische Sommersorten verwendet, während im Erwerbsgartenbau durch Herbst- und Winteraussaaten im Gewächshaus eine ganzjährige Produktion möglich ist. Die Entwicklungsdauer ist lichtabhängig und verlängert sich unter Kurztagsbedingungen im Winter auf bis zu zehn Wochen.[3] In wissenschaftlichen Studien unter kontrollierten Gewächshausbedingungen bei 20–23 °C Tagestemperatur und 15–18 °C Nachttemperatur erfolgte die Ernte nach einer Wachstumsphase von 50 Tagen. Physiologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein Rückgang bestimmter Cytokinin-Vorläufer wie *cis*ZRMP in der Knolle die pflanzliche Seneszenz anzeigt.[4] Das saisonale Interesse an der Pflanze korreliert stark mit der Freilandsaison und erreicht in den Monaten Mai und Juni seine Höchstwerte. Im Gegensatz dazu ist in den Wintermonaten Dezember und Januar die geringste öffentliche Aufmerksamkeit zu verzeichnen.[5]

Quellen & Referenzen

  1. Ulrich Sachweh (Hrsg.): Der Gärtner, Band 3, Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau. 2. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1986/1989, ISBN 3-8001-1148-9
  2. Ruth Wagner: Radieschen. ichkoche.at, 10. April 2008
  3. Wikipedia-Artikel: Radieschen (Basisinformationen aus bereitgestelltem OCR-Text)
  4. https://doi.org/10.3390/plants12061257
  5. Suchinteresse-Zeitreihe: Radieschen (aggregierte Systemdaten)
  6. https://www.freshplaza.de/article/9208193/rhabarberanbau-konzentriert-sich-auf-rheinland-pfalz-und-nrw/
  7. Pavlíková, D. et al.: Accumulation of Toxic Arsenic by Cherry Radish Tuber (Raphanus sativus var. sativus Pers.) and Its Physiological, Metabolic and Anatomical Stress Responses. Plants 2023, 12, 1257. https://doi.org/10.3390/plants12061257
  8. Marie-Luise Kreuter: Der Biogarten. 20. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft, München 2000, ISBN 3-405-15841-9
  9. Eintrag in der Arche des Geschmacks (Slow Food), zitiert nach Wikipedia-OCR Seite 4/6
  10. Elmadfa et al.: Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle. 4. Auflage. Gräfe und Unzer, 2000, ISBN 3-7742-2948-1