Fakten (kompakt)
- Die Chromosomenzahl der Art beträgt 2n = 22. - Die Samen der Pflanze weisen ein Tausendkorngewicht von 2 Gramm auf. - Die Früchte bilden 20 bis 35 Millimeter lange, leicht zusammengedrückte Schoten, die in einem 5 bis 9 Millimeter langen, abgeflachten Schnabel enden. - Historische, heute kaum noch gebräuchliche Trivialnamen im deutschsprachigen Raum sind Ernockel, Gerheb, Irich, Rockelen sowie „weis zam Senff“.[1] - Das flüchtige Aromaprofil verändert sich signifikant während der Ontogenese: In den Blättern dominieren Aldehyde wie 2-Hexenal (apfelartiger Geruch), während in der reproduktiven Phase Alkohole wie *cis*-3-Hexen-1-ol (blattartiger Geruch) überwiegen. - Spezifische chemische Marker für das Microgreen-Stadium sind Glucoraphanin, Glucoiberverin, Glucoerucin und 1,4-Dimethoxyglucobrassicin, deren Konzentrationen höher sind als in reifen Pflanzen. - Ein antioxidativer Schutzmechanismus der Pflanze basiert auf der Fähigkeit ihrer glucosinolatreichen Fraktionen zur Chelatbildung von Eisen(II)-Ionen (Fe²⁺).[3] - In der landwirtschaftlichen Forschung werden Extrakte aus *Eruca sativa* entwickelt, um als Biostimulanzien die Resistenz anderer Nutzpflanzen gegen Pathogene wie *Xylella fastidiosa* zu induzieren. - Zur Optimierung der Saatgutqualität werden Verfahren patentiert, die eine UV-Bestrahlung der Samen mit einer Behandlung durch Wachstumsregulatoren wie Forchlorfenuron kombinieren.[5]
Die wissenschaftliche Bezeichnung der Pflanze lautet *Eruca vesicaria* subsp. *sativa* (Mill.) Thell., wobei sie in der botanischen Literatur vielfach noch als eigenständige Art *Eruca sativa* Mill. geführt wird.[4][3] Die Erstveröffentlichung unter dem Basionym *Eruca sativa* erfolgte im Jahr 1768 durch Philip Miller. Im Jahr 1919 stufte Albert Thellung das Taxon als Unterart der Senfrauke (*Eruca vesicaria*) ein. Zu den dokumentierten Synonymen zählen *Brassica eruca* L., *Brassica erucoides* Roxb. sowie *Eruca longirostris* Uechtr.[5] Im deutschsprachigen Raum sind neben Garten-Senfrauke die Trivialnamen Ölrauke, Senfkohl, Raukenkohl oder verkürzt Rauke gebräuchlich.[4] Historische, teils mittelhochdeutsche Bezeichnungen umfassen Varianten wie Ernockel, Eruckh, Gerheb, Gernol sowie „weis zam Senff“.[6] Die heute im Handel dominierende Bezeichnung Rucola wurde aus dem Italienischen entlehnt.[4] Dieser Name führt häufig zu Verwechslungen mit dem Schmalblättrigen Doppelsamen (*Diplotaxis tenuifolia*), der im Handel ebenfalls als Rucola oder „Wilde Rauke“ angeboten wird. Im englischen Sprachraum wird die Pflanze als „Rocket“ oder „Arugula“ bezeichnet.[3]
Die Garten-Senfrauke (*Eruca sativa*) wächst als einjährige, seltener zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 Zentimetern.[4][9] Ihr aufrechter Stängel ist meist verzweigt, kantig gestreift und zumindest im unteren Teil rauflaumig behaart, seltener auch kahl. Die wechselständig angeordneten Stängelblätter sind deutlich kleiner als die Grundblätter und umfassen den Stängel mit ihrem Blattgrund nicht. Charakteristisch für die Laubblätter ist die buchtig fiederteilige Form mit zwei bis vier Fiederabschnitten auf jeder Seite, die meist ganzrandig oder gezähnt sind. Den Abschluss des Blattes bildet ein einzelner Endabschnitt, der gegenüber den seitlichen Fiedern deutlich vergrößert ist. Die Blattoberfläche ist meist kahl, weist jedoch gelegentlich einzelne Haare auf. Beim Zerreiben entwickeln die Blätter einen intensiven Geruch, der als würzig-aromatisch bis eigenartig unangenehm beschrieben wird. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis in den Spätsommer, wobei die Blüten in einem lockeren, traubigen Blütenstand stehen. Die 3 bis 8 Millimeter langen Blütenstiele sind deutlich kürzer als der Blütenkelch. Die zwittrige, vierzählige Blüte ist gut 1 bis 3 Zentimeter lang und besitzt dunkel braunviolette, schmal-eiförmige Kelchblätter. Die vier genagelten Kronblätter sind weiß mit einer gelblichen Tönung und durchzogen von deutlichen, braunvioletten Adern.[9] Die Chromosomenzahl der Art beträgt 2n = 22.[4] Aus den Blüten entwickeln sich dem Stängel anliegende, leicht zusammengedrückte Schoten von 20 bis 35 Millimetern Länge und 3 bis 5 Millimetern Dicke. Diese Früchte besitzen am Ende einen 5 bis 9 Millimeter langen, abgeflachten Schnabel. Die Samen weisen ein Tausendkorngewicht von etwa 2 Gramm auf.[9] Eine Verwechslungsgefahr besteht mit dem Schmalblättrigen Doppelsamen (*Diplotaxis tenuifolia*), der ebenfalls als Rucola gehandelt wird. Im Gegensatz zu *Eruca sativa* blüht *Diplotaxis* jedoch gelb und besitzt kleinere Blätter mit schmäleren Fiedern ohne vergrößerten Endfieder.[10]
Die Garten-Senfrauke (*Eruca sativa*) wird nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch aufgrund ihrer sekundären Pflanzenstoffe als funktionale Pflanze betrachtet. In der traditionellen Medizin werden ihr harntreibende, verdauungsfördernde und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. Gegenüber Schädlingen und Krankheitserregern besitzt die Art effektive chemische Abwehrmechanismen, die auf dem Glucosinolat-Myrosinase-System basieren. Bei mechanischer Verletzung des Gewebes, etwa durch Fraßfeinde, werden Glucosinolate in Isothiocyanate umgewandelt, die antimikrobielle und anti-herbivore Eigenschaften aufweisen. Diese biochemische Reaktion dient insbesondere dem Schutz fleischiger junger Keimlinge vor bodenbürtigen Parasiten und Pathogenen, die Pflanzen in diesem Entwicklungsstadium häufig attackieren.[3] Im Bereich der Pflanzenkrankheiten ist der Falsche Mehltau (*Hyaloperonospora parasitica*) von Bedeutung, weshalb Resistenzen gegen diesen Erreger in verwandten Zuchtlinien wie *Diplotaxis tenuifolia* patentiert wurden. Zur Prävention von Anbaurisiken und zur Steigerung der Samenqualität kommen technische Verfahren zum Einsatz, die UV-Bestrahlung mit chemischen Wachstumsregulatoren kombinieren. Über den Eigenschutz hinaus wird *Eruca sativa* im integrierten Pflanzenschutz als Wirkstoffquelle genutzt. Extrakte der Pflanze können die systemische Abwehr anderer Nutzpflanzen stimulieren und werden zur biologischen Bekämpfung gefährlicher Bakterien wie *Xylella fastidiosa* eingesetzt. Eine direkte medizinische Relevanz als Akarizid zeigt das aus den Samen gewonnene Öl der Garten-Senfrauke. Es ist Bestandteil von pharmazeutischen Zusammensetzungen, die spezifisch zur Behandlung von Infektionen durch *Demodex*-Milben beim Menschen entwickelt wurden.[5]