Fakten (kompakt)
- Der charakteristische Geruch des Urins nach dem Verzehr wird durch die im Spargel enthaltene Asparagusinsäure verursacht, die enzymatisch in schwefelhaltige Verbindungen wie Methanthiol gespalten wird.[22][23] - Nicht alle Menschen können den typischen „Spargelurin“ wahrnehmen; eine spezifische Anosmie betrifft etwa 60 % der Bevölkerung europäisch-amerikanischer Abstammung.[24][25] - Der Brennwert von rohem Spargel ist mit 86 kJ (20 kcal) pro 100 g sehr niedrig, da der Wasseranteil bei 93,1 % liegt.[26] - Die Chromosomenzahl beträgt diploid 2n = 20, wobei in der Zucht auch tetraploide Sorten (4n = 40) wie 'Eros' existieren, die durch künstliche Verdoppelung entstanden sind.[10][27] - Genetische Untersuchungen zeigen, dass der Spargel ein evolutionär junges Y-Chromosom besitzt, was ihn zu einem wichtigen Modellorganismus für die Erforschung der Geschlechtschromosomen-Evolution macht.[28] - Historisch ist der Spargel bereits im ältesten chinesischen Heilpflanzenbuch *Shennong ben cao jing* dokumentiert.[7] - Ein archäologischer Fund eines bleiernen Preisschildes in Trier aus dem 2. Jahrhundert belegt den Spargelhandel bereits zur Römerzeit nördlich der Alpen.[29] - Die Bauernregel „Kirschen rot, Spargel tot“ markiert traditionell das Ende der Erntezeit am Johannistag (24. Juni), um der Pflanze eine ausreichende Regenerationszeit für das Folgejahr zu gewähren.[30] - Neben Vitaminen enthält die Pflanze bioaktive Verbindungen wie Saponine, Flavonoide und Polysaccharide, denen antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden.[31]
Der Gemüsespargel oder Gemeiner Spargel (*Asparagus officinalis* L.) ist eine Pflanzenart der Gattung *Asparagus* innerhalb der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae).[1][3] Der deutsche Trivialname „Spargel“ (maskulin; in der Schweiz auch feminin) leitet sich über das mittellateinische *sparagus* und lateinische *asparagus* vom griechischen Wort *aspáragos* ab.[4] Dieser griechische Begriff bedeutet „junger Trieb“ und geht auf das Verb *spargáein* zurück, was mit „strotzen“ oder „geschwellt sein“ übersetzt wird.[5] In der internationalen wissenschaftlichen Literatur wird die Art zur Unterscheidung oft als „garden asparagus“ bezeichnet.[6] Historisch ist die Pflanze bereits im ältesten chinesischen Heilpflanzenbuch *Shennong ben cao jing* als *Asparagus lucidus* verzeichnet.[7] Antike Autoren wie Theophrast, Dioskurides und Plinius beschrieben die Art ebenfalls, wobei der römische Autor Columella in seinem Werk *De re rustica* explizit den wildwachsenden Spargel erwähnte.[3] Im deutschsprachigen Raum existieren zahlreiche historische und regionale Trivialnamen, darunter „Aspars“ (Holstein), „Korallenkraut“ (Schlesien, Ostpreußen) oder „Schwammwurz“ (Schweiz). Weitere dokumentierte Varianten sind „Spajes“ (Weser), „Spart“ (Ostdeutschland), „Speis“ (Unterweser) sowie „Teufelstrauben“.[8]
Der Gemüsespargel (*Asparagus officinalis*) ist eine sommergrüne, ausdauernde und krautige Pflanze. Aus dem Rhizom treibt er fleischige, saftige Sprossen, die spiralig mit Niederblättern besetzt sind und sich weißlich oder blassrötlich färben. Über der Erde verlängern sich diese zu einem verzweigten, grünen und glatten Stängel, der Wuchshöhen von 0,6 bis 1,5 Metern erreicht. Das Wurzelsystem besteht aus langen, fleischigen Wurzeln, die im landwirtschaftlichen Anbau auch als „Klauen“ bezeichnet werden. Die eigentlichen Laubblätter sind zu kleinen, häutigen Schuppen reduziert. In deren Achseln entspringen büschelweise nadelartige, linealische Phyllokladien (umgewandelte Kurzsprosse), welche die Photosynthese übernehmen. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis Juli. Die Blüten sind meist eingeschlechtig, wodurch der Gemüsespargel in der Regel zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch) ist, wobei selten auch zwittrige Blüten vorkommen. Die relativ kleinen, dreizähligen Blüten besitzen sechs gelbliche Blütenhüllblätter, die bis zu 6,5 Millimeter lang werden. Aus den befruchteten Blüten entwickeln sich scharlachrote Beeren, die als gering giftig eingestuft werden. Cytologisch beträgt die Chromosomenzahl der Art 2n = 20.[11]
Der Gemüsespargel (*Asparagus officinalis*) ist eine wirtschaftlich bedeutende Kulturpflanze, deren weltweite Erntemenge im Jahr 2022 laut FAO über 8,8 Millionen Tonnen betrug.[20] Im Anbau ist die Pflanze verschiedenen biotischen Stressfaktoren ausgesetzt, wobei insbesondere Pilzerkrankungen und die Spargelfliege als relevante Schädlinge gelten.[21] Historische Verfahren zur chemischen Bekämpfung der Spargelfliege (*Platyparaea poeciloptera*) wurden bereits in den 1930er Jahren entwickelt.[14] Als zentrale präventive Maßnahme im Bestandsmanagement werden die Spargelstangen im Herbst abgeschnitten und vollständig entfernt, um Pilzen und Schädlingen wie der Spargelfliege die Überwinterungsgrundlage zu entziehen.[21] Neben Schädlingen stellen abiotische Faktoren wie Trockenheit und Bodenversalzung zunehmende Herausforderungen dar, auf die die Pflanze mit spezifischen Genexpressionsmustern reagiert.[6] Um physische Schäden am Rhizom zu minimieren, ist bei der Ernte Vorsicht geboten, da nicht-selektive maschinelle Verfahren die Wurzeln verletzen und zu Ertragseinbußen in der Folgesaison führen können.[21] Zur Sicherung der Vitalität wird traditionell eine Regenerationszeit nach dem 24. Juni (Johannistag) eingehalten, um der Pflanze eine ausreichende Erholung für den Austrieb im nächsten Jahr zu ermöglichen. Medizinisch und ernährungsphysiologisch ist Spargel aufgrund seines hohen Kaliumgehalts für seine harntreibende Wirkung bekannt.[21] Darüber hinaus ist die Art reich an bioaktiven Verbindungen wie Saponinen, Flavonoiden und Polysacchariden, denen antioxidative, entzündungshemmende und immunmodulatorische Aktivitäten zugeschrieben werden.[6] Ein bekanntes physiologisches Phänomen ist der bei etwa 40 % der Menschen auftretende strenge Geruch des Urins, der durch den enzymatischen Abbau der enthaltenen Asparagusinsäure in schwefelhaltige Verbindungen wie Methanthiol verursacht wird.[21]