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Trauermücke Neosciara modesta

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Zweiflügler (Diptera)
Familie Sciaridae
Gattung Bradysia
Art Neosciara
Wissenschaftlicher Name: Neosciara Pettey, 1918
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Einleitung

Die **Trauermücken** (Sciaridae) sind eine Familie der Zweiflügler (Diptera), wobei die Gattung *Neosciara* taxonomisch heute als Synonym zu *Bradysia* betrachtet wird.[1][2] In der wissenschaftlichen Literatur wurden historische Funde von *Neosciara modesta* beispielsweise in Norwegen als Fehlbestimmungen der Art *Bradysia tilicola* identifiziert.[3] Die weltweit verbreiteten Mücken zeichnen sich durch einen schlanken, dunkel gefärbten Körper und dunkel getrübte Flügel aus. Während ihre Larven eine wichtige Rolle bei der Zersetzung von Laub und Totholz spielen, können sie in der Landwirtschaft auch als Pflanzenschädlinge auftreten.[1]

Fakten (kompakt)

- Die Männchen der Trauermücken vererben ausschließlich das Erbgut ihrer Mutter weiter, da die väterlichen Chromosomen während der Spermatogenese eliminiert werden. - In der Keimbahn einiger Arten existieren spezielle „L-Chromosomen“ (germ line limited chromosomes), die beim Übergang zu den Körperzellen (Soma) vollständig abgebaut werden. - Die ältesten fossilen Belege der Familie stammen aus dem Libanon-Bernstein und werden auf ein Alter von etwa 130 Millionen Jahren (Unterkreide) datiert.[1] - Im Baltischen Bernstein des Eozäns (ca. 40 bis 50 Millionen Jahre alt) stellen Trauermücken etwa ein Fünftel aller gefundenen Mücken (Nematocera), weshalb dieser Bereich von Autoren auch als „Sciara-Zone“ bezeichnet wird.[1] - Historische Berichte über das Phänomen des „Heerwurms“ (Larvenzüge) in Norwegen gehen bis auf das Jahr 1735 zurück, als Ramus diese erstmals als „dragfæ“ oder „ormedrag“ dokumentierte.[3] - Neuere Ansätze im biologischen Pflanzenschutz beinhalten den Einsatz der Pilze *Paecilomyces lilacinus* und *Verticillium*-Arten, die auf speziellen Trägersystemen zur Bekämpfung bodenbewohnender Stadien eingesetzt werden.[10]

Name & Einordnung

Die Trauermücken (Sciaridae) gehören systematisch zur Unterordnung der Mücken (Nematocera) innerhalb der Klasse der Insekten. Der wissenschaftliche Familienname leitet sich vom altgriechischen Wort *skiarós* ab, was „beschattet“ oder „dunkel“ bedeutet und auf die dunkle Körperfärbung sowie die getrübten Flügel verweist.[1] Der Gattungsname *Neosciara*, der 1918 von Pettey eingeführt wurde, gilt heute taxonomisch als Synonym der Gattung *Bradysia*.[2] Die spezifische Kombination *Neosciara modesta* findet sich in historischer faunistischer Literatur, beispielsweise in Veröffentlichungen von Soot-Ryen aus dem Jahr 1942. Neuere Revisionen haben jedoch ergeben, dass es sich bei diesen historischen Belegen von *Neosciara modesta* oft um Fehlbestimmungen handelte, die eigentlich der Art *Bradysia tilicola* (Loew, 1850) zuzuordnen sind. Das Art-Epitheton *modesta* ist zudem in der validen Art *Hemineurina modesta* (Staeger, 1840) erhalten, die ursprünglich als *Sciara modesta* beschrieben wurde. Zu den Synonymen von *Hemineurina modesta* zählen unter anderem *Sciara arctica* Holmgren, 1869 und *Sciara frigida* Holmgren, 1869. *Bradysia tilicola* hingegen, die oft mit *Neosciara modesta* verwechselt wurde, führt Synonyme wie *Bradysia amoena* (Winnertz, 1867) und *Sciara silvatica* (Meigen, 1818).[3] Im deutschsprachigen Raum wird die Familie einheitlich als Trauermücken bezeichnet.[1][2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Trauermücken sind unauffällige, winzige bis mittelgroße Zweiflügler mit einer Körperlänge von 0,8 bis 7,0 Millimetern. Sie besitzen einen schlanken Körperbau und sind überwiegend dunkel bis schwarz gefärbt, wobei einige Arten auch gelbe oder orangefarbene Anteile aufweisen können. Der Kopf ist relativ klein und meist rundlich geformt, wobei die Facettenaugen über den Antennen an einer schmalen Brücke zusammenstoßen. Zusätzlich zu den Komplexaugen befinden sich drei Punktaugen (Ocelli) auf der Stirn. Die langen, dünnen Fühler bestehen meist aus 16 Gliedern. Die Mundwerkzeuge sind allgemein unauffällig, wobei die Maxillarpalpen taxonomisch relevant sind. Die Flügel sind oft dunkel getrübt oder rauchig gefärbt, breit und an der Spitze abgerundet. Ein markantes Bestimmungsmerkmal im Flügelgeäder ist die Mittelader (Media), die sich in der distalen Flügelhälfte in eine charakteristisch gebogene Gabelung (M1 und M2) aufteilt.[3] Es tritt ein Sexualdimorphismus auf, bei dem die Weibchen einiger Arten (z. B. in der Gattung *Epidapus*) flügellos sind oder reduzierte Flügel besitzen. Die Beine sind lang und schlank ausgebildet, erreichen jedoch nicht die Länge derer von Pilzmücken (Mycetophilidae). Die Larven zeichnen sich durch einen zylindrischen Körperbau und eine weiße, glänzende Färbung aus. Sie besitzen eine deutlich sklerotisierte, dunkle Kopfkapsel. In bestimmten Fällen bilden die Larven riesige Ansammlungen, sogenannte Heerwürmer, die als Wanderzüge beobachtet werden können.[3]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Trauermücken (Sciaridae), zu denen auch *Neosciara modesta* gezählt wird, treten als Lästlinge in Wohnräumen sowie als Schädlinge in der Landwirtschaft, im Zierpflanzenbau und in Pilzfarmen auf. Während die Larven in natürlichen Ökosystemen eine wichtige Rolle bei der Zersetzung von Laub spielen, verursachen sie in Kulturen Fraßschäden an Wurzeln und Pflanzenteilen, was zum Absterben von Keimlingen und Jungpflanzen führen kann.[1][6] Ein Befall wird häufig durch den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten oder den Transport von Humus, Torf und Blumenerde eingeschleppt. In Gewächshäusern begünstigen optimale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen sowie das Fehlen natürlicher Feinde eine Massenvermehrung. Zur Früherkennung und Befallsüberwachung werden Gelbtafeln eingesetzt, die adulte Mücken fangen, jedoch die im Substrat lebenden Larven nicht dezimieren. Die Bekämpfung erfolgt vorzugsweise biologisch, da chemische Mittel wie das früher genutzte Dimethoat Jungpflanzen schädigen können. Etabliert ist der Einsatz von *Steinernema-feltiae*-Nematoden (SF-Nematoden), die im Boden aktiv nach den Larven suchen. Alternativ wird das Bakterium *Bacillus thuringiensis israelensis* (BTI) verwendet, das von den Larven aufgenommen werden muss und sich besonders zur Vorbeugung eignet.[1] Innovative biologische Ansätze umfassen zudem die Anwendung entomopathogener Pilze wie *Paecilomyces lilacinus* und *Verticillium*-Arten, die auf speziellen Trägermaterialien in den Boden eingebracht werden.[12]

Biologie & Lebenszyklus

Die Imagines der Trauermücken (Sciaridae) sind kurzlebig, nehmen ausschließlich flüssige Nahrung auf und sterben bereits etwa fünf Tage nach dem Schlupf, wobei ihre Hauptfunktion die Fortpflanzung ist.[6][8] Für die Eiablage suchen die Weibchen feuchten Erdboden auf, in den sie bis zu 200 durchsichtige Eier ablegen.[8] Nach einer Embryonalentwicklung von circa sieben bis acht Tagen schlüpfen die Larven, die einen schlanken, gräulich-weißen Körper und eine vollständig ausgebildete, sklerotisierte schwarze Kopfkapsel (eucephal) aufweisen. Diese Larven ernähren sich überwiegend saprophag oder mycetophag von organischem Material wie Laub, Rinde, Totholz sowie Pilzen und spielen eine bedeutende Rolle bei der Zersetzung von Waldstreu.[6][8] Bestimmte Arten minieren jedoch auch in Pflanzenteilen oder fressen an Wurzeln, was insbesondere bei Massenauftreten in der Landwirtschaft und bei Zierpflanzen zu Schäden führen kann.[8] Ein auffälliges Verhaltensmerkmal mancher Arten ist die Bildung sogenannter „Heerwürmer“, bei denen sich Tausende von Larven zu meterlangen Zügen formieren, um gemeinsam neue Standorte zu erschließen.[6][8] Da die Imagines nur über begrenzte Flugfähigkeiten verfügen, dient dieser gemeinsame Larvenzug auch der Sicherstellung der späteren Partnerfindung. Die Verpuppung erfolgt in einer Mumienpuppe, wobei dieser Prozess in Mitteleuropa häufig in den Monaten Juli und August stattfindet.[8] Genetisch weisen Trauermücken Besonderheiten auf, wie die Elimination väterlicher Chromosomen bei der Spermatogenese, sodass Männchen nur mütterliches Erbgut weitergeben.[9] Zu den natürlichen Feinden und biologischen Regulatoren zählen unter anderem Nematoden der Art *Steinernema feltiae*, die aktiv nach den Larven im Substrat suchen. Auch das Bakterium *Bacillus thuringiensis israelensis* wird zur Bekämpfung eingesetzt, da die Larven die Sporen mit der Nahrung aufnehmen müssen.[8] Darüber hinaus können entomopathogene Pilze wie *Paecilomyces lilacinus* und *Verticillium*-Arten zur biologischen Kontrolle der bodenbewohnenden Stadien beitragen.[10] Historisch wurde der Name *Neosciara modesta* verwendet, wobei neuere taxonomische Revisionen entsprechende Funde oft anderen Arten wie *Bradysia tilicola* zuordnen.[6]

Vorkommen & Lebensraum

Trauermücken sind weltweit verbreitet und besiedeln neben heißen Zonen auch extreme Lebensräume wie Tundragebiete, Inseln der Antarktis und Bergregionen über 4000 Meter Höhe. Die meisten Arten bevorzugen feuchte Habitate wie Wälder, Moore, Feuchtwiesen und Weiden, wo sie versteckt in Laub und Pflanzen leben. In feuchten und schattigen Biotopen können sie bis zu 70 % aller Zweiflüglerarten ausmachen. Auch in menschlichen Siedlungsbereichen treten sie häufig auf und entwickeln sich in Blumentöpfen innerhalb von Wohnungen und Gewächshäusern. Die Verbreitung wird maßgeblich durch Windverdriftung sowie den menschlichen Handel mit Humus und Pflanzenmaterial beeinflusst. Das spezifische Taxon *Neosciara modesta* wird in der neueren faunistischen Literatur als Fehlbestimmung betrachtet und taxonomisch der Art *Bradysia tilicola* zugeordnet. Nachweise für diese Art existieren in Norwegen unter anderem in der Finnmarksvidda, in Hordaland sowie in der Umgebung von Oslo. Zu den dokumentierten Fundorten zählen beispielsweise Alta, der Botanische Garten in Oslo sowie Gebiete in Troms und Trøndelag. Als spezifischer Lebensraum für *Bradysia tilicola* (ehemals als *Neosciara modesta* identifiziert) werden Zweige der Winterlinde (*Tilia parvifolia*) genannt, wobei dieser Nachweis auf Gallen basiert. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich in diesen nordischen Verbreitungsgebieten von Juni bis Oktober.[3]

Saisonalität & Aktivität

In Mitteleuropa zeigen adulte Trauermücken (Sciaridae) im Freiland üblicherweise zwei Hauptaktivitätsphasen, die von Mitte März bis Anfang Juni sowie von Anfang August bis Ende September reichen. Dementsprechend lassen sich oft zwei Populationsspitzen im April und September feststellen, die sich jedoch je nach Temperatur und Niederschlag verschieben können. Viele Arten sind bivoltin und bilden zwei Generationen pro Jahr aus, während andere univoltin sind und nur eine Generation im Frühling oder Spätsommer hervorbringen. Mit zunehmender nördlicher Breite verkürzt sich die Flugzeit der Imagines deutlich und verschiebt sich in arktischen Regionen auf die Sommermonate Juni bis August. Für die Art *Hemineurina modesta* (in der Literatur teils synonym oder als Fehldetermination unter *Neosciara modesta* geführt) werden in nördlichen Breiten Flugzeiten von Juni bis September angegeben.[3] Die auffälligen Larvenzüge des „Heerwurms“ sind in Mitteleuropa vorwiegend von Mai bis Juni zu beobachten, worauf die Verpuppung im Juli und August folgt.[4] Unabhängig von der natürlichen Saisonalität im Freiland treten Trauermücken in menschlichen Behausungen ganzjährig auf, da sie sich dort in Blumentöpfen entwickeln.[3] Dies spiegelt sich im öffentlichen Suchinteresse wider, das entgegen dem biologischen Freiland-Zyklus deutliche Spitzenwerte in den Wintermonaten Dezember und Januar aufweist.[5]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-102005024783-A1 Biological Unbekannt

Biologisches Bekämpfungsmittel zur Bekämpfung von Nematoden und Insekten umfassend Paecilomyces lilacinus und Verticillium-Arten

Ita Institute of Fuer Innovative Techn (2005)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt ein biologisches Mittel, das die Pilze Paecilomyces lilacinus und Verticillium-Spezies enthält. Diese sind auf einem selbstregulierenden Wasser- und Nährstoffspeichersystem immobilisiert, um die Überlebensdauer und Etablierung im Boden zu erhöhen. Das Mittel wirkt als Nematizid und Insektizid gegen bodenbewohnende Schädlinge. Obwohl Neosciara modesta im Abstract nicht explizit namentlich genannt wird, fallen Trauermückenlarven in das typische Wirkungsspektrum dieser entomopathogenen Bodenpilze. Die Innovation liegt primär in der Trägertechnologie für die biologischen Wirkstoffe.

DE-202005020816-U1 Biological Unbekannt

Biologisches Bekämpfungsmittel zur Bekämpfung von Nematoden und Insekten umfassend Paecilomyces lilacinus und Verticillium-Arten

Ita Institute of Fuer Innovative Techn (2005)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Dieses Gebrauchsmuster schützt eine biologische Formulierung zur Schädlingsbekämpfung basierend auf immobilisierten Pilzkulturen. Es kombiniert Paecilomyces lilacinus und Verticillium-Arten auf einem speziellen Speichersystem für Wasser und Nährstoffe. Die Methode dient der Bekämpfung von Nematoden, Milben und Insekten im Wurzelbereich. Die Anwendung ist für den Einsatz gegen Bodenschädlinge konzipiert, was für die Bekämpfung von Trauermückenlarven (Sciaridae) hoch relevant ist, auch wenn der spezifische Artname im Textauszug fehlt. Es handelt sich um die Gebrauchsmuster-Variante der oben genannten Erfindung.

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Trauermücken (OCR-Extrakt aus PDF)
  2. https://www.gbif.org/species/1487156
  3. https://doi.org/10.3897/zookeys.957.46528
  4. Menzel, F. (1999): Revision der paläarktischen Trauermücken (Diptera, Sciaridae). Dissertation, Universität Lüneburg.
  5. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (DE), 2026.
  6. Menzel F, Gammelmo Ø, Olsen KM, Köhler A (2020) The Black Fungus Gnats (Diptera, Sciaridae) of Norway – Part I. ZooKeys 957: 17–104. https://doi.org/10.3897/zookeys.957.46528
  7. GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset https://doi.org/10.15468/39omei accessed via GBIF.org
  8. Menzel, F. & Schulz, U. (2007): Die Trauermücken in Deutschland – ökosystemare Bedeutung, zönologische Koinzidenzen und bioindikatorisches Potential. Beiträge zur Entomologie 57(1): 9–36.
  9. Metz, C. W. (1938): Chromosome behavior, inheritance and sex determination in Sciara. The American Naturalist 72: 485–520.
  10. https://patents.google.com/patent/DE102005024783A1/en
  11. Hövemeyer, K. (1998): Diptera associated with dead beech wood. Studia dipterologica 5(1): 113–122.
  12. DE102005024783A1: Biologisches Bekämpfungsmittel zur Bekämpfung von Nematoden und Insekten. https://patents.google.com/patent/DE102005024783A1/en