Fakten (kompakt)
- Die Männchen der Trauermücken vererben ausschließlich das Erbgut ihrer Mutter weiter, da die väterlichen Chromosomen während der Spermatogenese eliminiert werden. - In der Keimbahn einiger Arten existieren spezielle „L-Chromosomen“ (germ line limited chromosomes), die beim Übergang zu den Körperzellen (Soma) vollständig abgebaut werden. - Die ältesten fossilen Belege der Familie stammen aus dem Libanon-Bernstein und werden auf ein Alter von etwa 130 Millionen Jahren (Unterkreide) datiert.[1] - Im Baltischen Bernstein des Eozäns (ca. 40 bis 50 Millionen Jahre alt) stellen Trauermücken etwa ein Fünftel aller gefundenen Mücken (Nematocera), weshalb dieser Bereich von Autoren auch als „Sciara-Zone“ bezeichnet wird.[1] - Historische Berichte über das Phänomen des „Heerwurms“ (Larvenzüge) in Norwegen gehen bis auf das Jahr 1735 zurück, als Ramus diese erstmals als „dragfæ“ oder „ormedrag“ dokumentierte.[3] - Neuere Ansätze im biologischen Pflanzenschutz beinhalten den Einsatz der Pilze *Paecilomyces lilacinus* und *Verticillium*-Arten, die auf speziellen Trägersystemen zur Bekämpfung bodenbewohnender Stadien eingesetzt werden.[10]
Die Trauermücken (Sciaridae) gehören systematisch zur Unterordnung der Mücken (Nematocera) innerhalb der Klasse der Insekten. Der wissenschaftliche Familienname leitet sich vom altgriechischen Wort *skiarós* ab, was „beschattet“ oder „dunkel“ bedeutet und auf die dunkle Körperfärbung sowie die getrübten Flügel verweist.[1] Der Gattungsname *Neosciara*, der 1918 von Pettey eingeführt wurde, gilt heute taxonomisch als Synonym der Gattung *Bradysia*.[2] Die spezifische Kombination *Neosciara modesta* findet sich in historischer faunistischer Literatur, beispielsweise in Veröffentlichungen von Soot-Ryen aus dem Jahr 1942. Neuere Revisionen haben jedoch ergeben, dass es sich bei diesen historischen Belegen von *Neosciara modesta* oft um Fehlbestimmungen handelte, die eigentlich der Art *Bradysia tilicola* (Loew, 1850) zuzuordnen sind. Das Art-Epitheton *modesta* ist zudem in der validen Art *Hemineurina modesta* (Staeger, 1840) erhalten, die ursprünglich als *Sciara modesta* beschrieben wurde. Zu den Synonymen von *Hemineurina modesta* zählen unter anderem *Sciara arctica* Holmgren, 1869 und *Sciara frigida* Holmgren, 1869. *Bradysia tilicola* hingegen, die oft mit *Neosciara modesta* verwechselt wurde, führt Synonyme wie *Bradysia amoena* (Winnertz, 1867) und *Sciara silvatica* (Meigen, 1818).[3] Im deutschsprachigen Raum wird die Familie einheitlich als Trauermücken bezeichnet.[1][2]
Die Trauermücken sind unauffällige, winzige bis mittelgroße Zweiflügler mit einer Körperlänge von 0,8 bis 7,0 Millimetern. Sie besitzen einen schlanken Körperbau und sind überwiegend dunkel bis schwarz gefärbt, wobei einige Arten auch gelbe oder orangefarbene Anteile aufweisen können. Der Kopf ist relativ klein und meist rundlich geformt, wobei die Facettenaugen über den Antennen an einer schmalen Brücke zusammenstoßen. Zusätzlich zu den Komplexaugen befinden sich drei Punktaugen (Ocelli) auf der Stirn. Die langen, dünnen Fühler bestehen meist aus 16 Gliedern. Die Mundwerkzeuge sind allgemein unauffällig, wobei die Maxillarpalpen taxonomisch relevant sind. Die Flügel sind oft dunkel getrübt oder rauchig gefärbt, breit und an der Spitze abgerundet. Ein markantes Bestimmungsmerkmal im Flügelgeäder ist die Mittelader (Media), die sich in der distalen Flügelhälfte in eine charakteristisch gebogene Gabelung (M1 und M2) aufteilt.[3] Es tritt ein Sexualdimorphismus auf, bei dem die Weibchen einiger Arten (z. B. in der Gattung *Epidapus*) flügellos sind oder reduzierte Flügel besitzen. Die Beine sind lang und schlank ausgebildet, erreichen jedoch nicht die Länge derer von Pilzmücken (Mycetophilidae). Die Larven zeichnen sich durch einen zylindrischen Körperbau und eine weiße, glänzende Färbung aus. Sie besitzen eine deutlich sklerotisierte, dunkle Kopfkapsel. In bestimmten Fällen bilden die Larven riesige Ansammlungen, sogenannte Heerwürmer, die als Wanderzüge beobachtet werden können.[3]
Trauermücken (Sciaridae), zu denen auch *Neosciara modesta* gezählt wird, treten als Lästlinge in Wohnräumen sowie als Schädlinge in der Landwirtschaft, im Zierpflanzenbau und in Pilzfarmen auf. Während die Larven in natürlichen Ökosystemen eine wichtige Rolle bei der Zersetzung von Laub spielen, verursachen sie in Kulturen Fraßschäden an Wurzeln und Pflanzenteilen, was zum Absterben von Keimlingen und Jungpflanzen führen kann.[1][6] Ein Befall wird häufig durch den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten oder den Transport von Humus, Torf und Blumenerde eingeschleppt. In Gewächshäusern begünstigen optimale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen sowie das Fehlen natürlicher Feinde eine Massenvermehrung. Zur Früherkennung und Befallsüberwachung werden Gelbtafeln eingesetzt, die adulte Mücken fangen, jedoch die im Substrat lebenden Larven nicht dezimieren. Die Bekämpfung erfolgt vorzugsweise biologisch, da chemische Mittel wie das früher genutzte Dimethoat Jungpflanzen schädigen können. Etabliert ist der Einsatz von *Steinernema-feltiae*-Nematoden (SF-Nematoden), die im Boden aktiv nach den Larven suchen. Alternativ wird das Bakterium *Bacillus thuringiensis israelensis* (BTI) verwendet, das von den Larven aufgenommen werden muss und sich besonders zur Vorbeugung eignet.[1] Innovative biologische Ansätze umfassen zudem die Anwendung entomopathogener Pilze wie *Paecilomyces lilacinus* und *Verticillium*-Arten, die auf speziellen Trägermaterialien in den Boden eingebracht werden.[12]